Das Europäische Parlament steht vor einer entscheidenden Entscheidung zur Zukunft des Zahlungsverkehrs in Europa. Die Abgeordneten müssen entscheiden, ob sie die Einführung eines digitalen Euro unterstützen. Unterdessen melden sich prominente Ökonomen zu Wort und appellieren in einem offenen Brief eindringlich.

Digitaler Euro unerlässlich für europäische Souveränität

70 führende Ökonomen aus ganz Europa warnen das Europäische Parlament vor den Konsequenzen eines eingeschränkten digitalen Euro. In einem offenen Brief plädieren sie für die vollständige Einführung der Währung, sowohl online als auch offline, als Alternative zu den dominanten amerikanischen Zahlungsriesen wie Visa und Mastercard.

Der digitale Euro ist eine Central Bank Digital Currency (CBDC). Im Wesentlichen handelt es sich um eine digitale Währung, die einer Stablecoin wie USDT oder USDC ähnelt, jedoch auf dem Euro basiert und von der Europäischen Zentralbank (EZB) herausgegeben wird.

Da der digitale Euro von einer Zentralbank herausgegeben wird, hat er denselben rechtlichen Status wie physische Euro-Banknoten. Dank technologieähnlicher Blockchain bietet er zudem die zusätzlichen Vorteile des digitalen Bezahlens, wie Schnelligkeit, Benutzerfreundlichkeit und breite Zugänglichkeit.

Ohne eine starke öffentliche Alternative bleibt Europa laut den Autoren von ausländischen Bezahlsystemen abhängig und damit anfällig für wirtschaftliche und geopolitische Risiken.

Finanzielle Stabilität unter Druck ohne europäische Alternative

In vielen EU-Ländern fehlen eigene digitale Bezahllösungen. Bargeld verschwindet, während kommerzielle Apps schnell an Bedeutung gewinnen. Den Ökonomen zufolge verliert Europa so die Kontrolle über seine Zahlungsinfrastruktur.

Ein von der Europäischen Zentralbank ausgegebener digitaler Euro würde den Bürgern direkten Zugang zu digitalem öffentlichen Geld verschaffen. Dies würde laut den Ökonomen die Krisenfestigkeit, den Datenschutz und die finanzielle Stabilität der EU stärken.

Der Brief, ein Projekt des niederländischen Sustainable Finance Lab, fordert, dass der digitale Euro ein vollwertiges öffentliches Gut bleiben muss. Er darf nicht zu einem symbolischen Projekt ohne tatsächliche Wirkung verwässern.

Online- und Offline-Nutzung entscheidend

Die EZB hat die Vorbereitungen für den digitalen Euro abgeschlossen. Jetzt liegt es an den europäischen Gesetzgebern. 2026 soll das Europäische Parlament endgültig über das Design der Währung entscheiden.

In einer früheren Empfehlung plädierte der Europaabgeordnete Fernando Navarrete Rojas für eine eingeschränkte Version, die nur offline funktioniert. Banken unterstützen diese Idee aufgrund von Kostenüberlegungen und ihren eigenen digitalen Initiativen.

Die Ökonomen betonen jedoch, dass der digitale Euro auch online für alle verfügbar sein muss, einschließlich Menschen ohne Bankkonto. Nur so entsteht ein vollwertiges, verlässliches und inklusives öffentliches Bezahlsystem.

Selbst bei politischer Zustimmung könnte es noch Jahre dauern, bis der digitale Euro Realität wird. Die EZB strebt eine mögliche Einführung im Jahr 2029 an, vorausgesetzt, der rechtliche Rahmen wird spätestens 2026 genehmigt.

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