Kevin Warsh will die US-Notenbank weniger berechenbar machen. Das klingt technisch, könnte aber erhebliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben.

Der neue Vorsitzende der Federal Reserve möchte sich nämlich teilweise von der sogenannten Forward Guidance verabschieden. Das ist die Methode, mit der die Notenbank Anleger auf zukünftige Zinsschritte vorbereitet.

Jahrelang versuchte die Fed, den Märkten möglichst klar zu sagen, wohin die Zinsen wahrscheinlich gehen werden. Warsh sieht das als Problem. Seiner Meinung nach sind die Märkte zu abhängig von der Notenbank geworden.

Weniger Klarheit, mehr Volatilität

In seiner ersten Zinssitzung als Vorsitzender nannte Warsh seinen Ansatz ein „neues Kapitel“ für die Märkte. Die US-Notenbank ließ die Zinsen unverändert, strich jedoch ein wichtiges Signal aus der Erklärung zur künftigen Politikrichtung.

Bemerkenswert war auch, dass Warsh selbst keinen Dot Plot präsentierte. Das ist die bekannte Grafik, in der Fed-Mitglieder angeben, wo sie die Zinsen in den kommenden Jahren sehen.

Dot plot van maart versus juni.
Dot-Plot von März im Vergleich zu Juni. Quelle: Neil Sethi/X

Die anderen Entscheidungsträger taten das zwar, aber ohne die Einschätzung des Vorsitzenden verliert der Dot Plot an Wert. Für Anleger bedeutet das mehr Spekulation. Und mehr Spekulation führt in der Regel zu mehr Volatilität.

Anleger verlangen Prämie für Unsicherheit

Große Anleiheinvestoren warnen, dass weniger Transparenz zu höheren US-Kreditkosten führen könnte. Wenn die Märkte weniger über die Pläne der Fed wissen, verlangen Anleger eine höhere Entschädigung für dieses Risiko.

Das könnte die Renditen auf US-Staatsanleihen weiter in die Höhe treiben. Die 10-jährige Rendite ist seit Beginn des Iran-Kriegs bereits um etwa einen halben Prozentpunkt gestiegen. Die 2-jährige Rendite, die stark auf die Politik der US-Notenbank reagiert, stieg auf 4,22 Prozent, den höchsten Stand seit über einem Jahr.

Wenn Warsh die Notenbank dauerhaft unberechenbarer macht, könnte noch eine zusätzliche Risikoprämie hinzukommen.

Warum Warsh dies trotzdem will

Hinter Warshs Ansatz steckt jedoch eine Logik. Er meint, die US-Notenbank setze sich selbst durch zu viel Guidance fest. Wenn die Notenbank zu deutlich über zukünftige Zinssenkungen oder -erhöhungen kommuniziert, könnten die Märkte diese Erwartung als Versprechen auffassen.

Das würde Druck auf die US-Notenbank ausüben, an alten Prognosen festzuhalten, selbst wenn sich die Wirtschaftsdaten ändern. Warsh möchte zu einer Notenbank zurückkehren, die stärker auf neue Informationen reagiert und weniger an früher kommunizierte Wege gebunden ist.

Es bleibt jedoch fraglich, ob das für Bitcoin (BTC), Aktien und Gold eine positive Entwicklung ist. Wahrscheinlich eher nicht. Höhere Zinsen schmälern meist die Renditen risikobehafteter Anlagen.

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