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Der Ölpreis gibt erneut nach, obwohl die Spannungen im Nahen Osten wieder zunehmen. Brentöl fiel am Freitag um rund 2 Prozent in Richtung 74 Dollar je Barrel, während die US-Sorte WTI auf etwa 70 Dollar zurückging. Bemerkenswert ist das dennoch.

WTI-Öl fällt auf 70 Dollar je Barrel zurück. Quelle: TradingView

Ein US-Regierungsvertreter macht Iran für einen Angriff auf ein Frachtschiff vor der Küste Omans verantwortlich, unweit der Straße von Hormus. Normalerweise würde eine solche Meldung die Ölpreise eher steigen lassen. Diesmal richtet der Markt den Blick jedoch vor allem auf die breitere Angebotslage.

Markt blendet neue Zwischenfälle aus

Die Straße von Hormus bleibt eine der wichtigsten Routen für Öl und Gas. Jeder Zwischenfall in der Region kann Auswirkungen auf den Weltmarkt haben.

Dennoch scheinen Anleger vorerst darauf zu setzen, dass die jüngsten diplomatischen Bemühungen ausreichen, um eine größere Störung zu verhindern.

Der Angriff auf das Schiff führte nach vorliegenden Angaben weder zu Opfern noch zu Umweltschäden. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation setzte den Evakuierungsplan für festsitzende Schiffe jedoch vorübergehend aus, damit Sicherheitszusagen erneut geprüft werden können.

Abkommen bleibt fragil

Auch politisch ist vieles weiter unklar. Iran und die USA streiten über die Verwendung freigegebener iranischer Vermögenswerte.

Iran weist zurück, dass diese Mittel für den Kauf amerikanischer Agrarprodukte eingesetzt werden müssen. US-Vertreter betonen dagegen, dass mögliche freigegebene Gelder weiterhin einer Genehmigung der USA unterliegen.

Damit zeigt sich, dass die Verständigung zwischen Washington und Teheran noch auf keinem festen Fundament steht. Die Ruhe rund um Hormus ist vorerst eher eine Erwartung als Gewissheit.

Warum Öl trotzdem billiger wird

Dass Öl trotz dieser Spannungen fällt, liegt vor allem an den Angebotserwartungen. Anleger sehen ein geringeres Risiko für eine längere Blockade der Straße von Hormus als noch zu Beginn des Monats. Hinzu kommt, dass die Opec erneut unter Druck steht.

Irak, der zweitgrößte Produzent innerhalb der Opec, droht mit einem Austritt, sollte das Land keine höheren Förderquoten erhalten. Zuvor hatten bereits die Vereinigten Arabischen Emirate die Organisation im Mai verlassen.

Für den Ölmarkt ist das von Bedeutung. Wenn sich mehr Länder weniger an Förderabsprachen gebunden fühlen, steigt die Wahrscheinlichkeit eines zusätzlichen Angebots. Mehr Angebot bedeutet niedrigere Preise.

Für die Finanzmärkte ist der fallende Ölpreis wichtig. Günstigere Energie senkt das Risiko eines neuen Inflationsschocks. Das könnte den Zentralbanken etwas mehr Spielraum geben, mit Zinserhöhungen abzuwarten.

Das Gleichgewicht bleibt jedoch fragil. Sollte Iran die Straße von Hormus erneut unter Druck setzen, könnte die Risikoprämie im Ölpreis rasch zurückkehren. Vorerst setzt der Markt aber auf Entspannung.

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