Die amerikanische Zentralbank, die Federal Reserve, lässt vorerst den Zinssatz unverändert. Das zeigt eine neue Umfrage von Reuters unter 105 Ökonomen. Fast alle Ökonomen rechnen nicht mit einem schnellen Rückgang des Zinssatzes. Der Grund ist klar: Die Inflationsrisiken bleiben hartnäckig bestehen. Sie geben jedoch eine Prognose ab, wann die Fed den Zinssatz senken wird.
Inflationsangst und politische Unsicherheit
Ganze 103 der 105 Ökonomen erwarten, dass die Federal Reserve während der Sitzung am 17.-18. Juni den Zinssatz in der aktuellen Bandbreite von 4,25 bis 4,50 Prozent beibehält. Der Grund dafür ist die anhaltende Inflation. Die Befürchtung, dass die Importzölle von Präsident Donald Trump die Inflation erneut anheizen, spielt eine große Rolle.
Die wirtschaftlichen Aussichten bleiben damit fragil. „Derzeit fühlt sich das ‚Graubereich‘ mehr wie ‚dunkelgrau‘ an… das Komitee steht vor großer Unsicherheit,“ so Jonathan Pingle, Chefökonom USA bei UBS.
Der solide amerikanische Arbeitsmarkt gibt der Fed derzeit keinen Grund zum Eingreifen. Gleichzeitig führt eine Flut von Anleiheemissionen, auch aufgrund der Steuersenkungen, die das Repräsentantenhaus genehmigt hat, zu zunehmenden Sorgen über die Staatsverschuldung.
„Die Haushaltspolitik wird das Haushaltsdefizit weiter ansteigen lassen, was einen anhaltenden Aufwärtsdruck auf die Langfristzinsen ausübt,“ so Bill Adams von der Comerica Bank.
Zinssenkung erst ab September?
Im Juni also fast sicher keine Zinssenkung. Aber wann dann? Etwas mehr als die Hälfte der Ökonomen erwartet, dass die Fed erst im dritten Quartal, wahrscheinlich im September, mit Zinssenkungen beginnt.
Ein erheblicher Teil, 42 Prozent, denkt jedoch, dass Senkungen erst Ende 2025 oder später stattfinden werden. Zwanzig Ökonomen sehen in diesem Jahr überhaupt keine Senkung vor.
Laut James Egelhof von BNP Paribas:
„Hohe Tarife sind dauerhaft und werden für eine lang anhaltende erhöhte Inflation bis weit ins Jahr 2026 sorgen. Die Fed wird wenig Anlass sehen, zu senken.“
Präsident Donald Trump fügte am Freitag eine zusätzliche Dimension zur Debatte hinzu, indem er für eine sofortige Zinssenkung um einen vollen Prozentpunkt plädierte. Gleichzeitig möchte er ein Konjunkturpaket von 2,4 Billionen Dollar durchsetzen, was die ohnehin schon astronomische Staatsverschuldung von 36,2 Billionen Dollar weiter antreiben wird.
Die wirtschaftlichen Aussichten bleiben gemäßigt. Für 2025 wird ein Wachstum von 1,4 Prozent erwartet, deutlich niedriger als die 2,8 Prozent des Vorjahres. Die Fed scheint vorerst entschlossen: Erst wenn der Inflationsdruck wirklich nachlässt, wird sie erwägen, den Zinssatz zu senken. Zinssenkungen sind dieses Jahr also keine Gewissheit.
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