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Die Wall Street erlebte am Mittwochabend einen Rückschlag durch die Federal Reserve, doch am Donnerstagmorgen scheint sich der Markt bereits zu erholen. Die US-Futures stehen heute schon wieder deutlich höher, obwohl der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh die Möglichkeit einer Zinserhöhung später in diesem Jahr offenließ.
Die S&P 500-Futures stiegen um 0,73 Prozent und die Nasdaq 100-Futures gewannen sogar 1,20 Prozent. Diese Erholung folgt auf eine schwache Sitzung am Mittwoch, als der Markt von einer viel strengeren Zinsprognose als erwartet überrascht wurde.

Die Fed ließ die Zinsen wie erwartet unverändert in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent. An sich war das keine Überraschung. Die Überraschung lag in den Zinserwartungen der Entscheidungsträger.
Aus der neuen Zinsprognose ging hervor, dass mehrere Fed-Mitglieder inzwischen mit einer Zinserhöhung im Jahr 2026 rechnen. Die mittlere Erwartung für den Leitzins am Jahresende stieg auf 3,8 Prozent, gegenüber 3,4 Prozent in der vorherigen Prognose von März.

Dies deutet darauf hin, dass mindestens eine Zinserhöhung später in diesem Jahr wieder auf dem Tisch liegt.
Für die Finanzmärkte bedeutet das eine deutliche Wende. Noch vor kurzem drehte sich die Diskussion vor allem um den Zeitpunkt von Zinssenkungen. Inzwischen geht es wieder darum, ob die Fed noch einmal die Zinsen anheben muss.
Bemerkenswerterweise hat Kevin Warsh selbst keine Zinsprognose abgegeben. Das erschwert die Interpretation. Anleger wissen, dass die Zinsprognose strenger geworden ist, aber nicht genau, wie der neue Vorsitzende selbst positioniert ist.
Das ist wichtig, da dies die erste Fed-Sitzung unter Warsh war. Nach Jahren mit Jerome Powell muss die Wall Street wieder lernen, auf den Ton, die Nuancen und Prioritäten der Zentralbank zu achten.
Nach dem Fed-Beschluss fielen die wichtigsten US-Indizes breit. Der S&P 500 sank um 1,21 Prozent und der Nasdaq Composite verlor 1,34 Prozent.
Zugleich stiegen die Anleiherenditen. Die US-2-Jahresrendite, die empfindlich auf Fed-Erwartungen reagiert, stieg auf 4,22 Prozent.
Das ist logisch. Wenn der Markt erneut mit einer Zinserhöhung rechnen muss, steigt der Kurzfristzins und es entsteht Druck auf Wachstumsaktien, KI-Gewinner und andere teure Risikoinvestitionen.
Dass die Futures am Donnerstagmorgen wieder steigen, sagt etwas über die zugrunde liegende Stärke des Marktes aus.
Anleger sehen zwar eine strengere US-Zentralbank, aber auch eine Wirtschaft, die nicht bricht. Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich und die Inflation bleibt zu hoch, aber das Wachstum hält an.
Laut Sonu Varghese von der Carson Group bleibt die Geldpolitik relativ locker für eine Wirtschaft, in der Inflation ein Problem bleibt und der Arbeitsmarkt nicht zusammenbricht.
Das ist der Kern des aktuellen Marktes. Die Fed klingt strenger, aber solange Wachstum und Unternehmensgewinne bestehen bleiben, weigern sich Anleger, massenhaft Risiken abzubauen.
Auch in Asien bleibt der Bullenmarkt bemerkenswert stark. Der südkoreanische Kospi stieg erstmals über 9.000 Punkte. Vor allem Chipunternehmen trieben den Index nach oben.

SK Hynix gewann 3,45 Prozent und erreichte ein neues Rekordhoch. Samsung Electronics stieg um 1,23 Prozent.
Auch Japan bleibt in Rekordstimmung. Der Nikkei 225 stieg um 1,79 Prozent und brach erstmals die Marke von 71.000 Punkten. Der Topix gewann 1,48 Prozent.
Das zeigt, dass die weltweite KI- und Chip-Rally nach wie vor lebendig ist. Selbst eine strengere US-Zentralbank reicht derzeit nicht aus, um diese Entwicklung vollständig zu stoppen.
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