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Kriege verursachen immer größere Erschütterungen an den Finanzmärkten. Von steigenden Ölpreisen bis hin zu Unsicherheiten über Zinsen und Aktienkurse erschweren geopolitische Konflikte es Anlegern zunehmend, Risiken einzuschätzen. Daher blickt die Wall Street nun auf eine neue, ungewöhnliche Lösung: Modelle, die versuchen, Kriege vorherzusagen.
Die zugrunde liegende Technologie stammt ursprünglich aus dem Bereich der Vorhersage von Naturkatastrophen wie Hurrikans und Erdbeben. Nun werden dieselben Techniken eingesetzt, um die Wahrscheinlichkeit bewaffneter Konflikte zu ermitteln.
Laut dem Institute for Economics and Peace hat sich die Zahl der Länder, die an internationalen Konflikten beteiligt sind, seit 2008 fast verdoppelt und liegt nun bei über hundert. Die wirtschaftlichen Schäden durch Gewalt belaufen sich mittlerweile auf nahezu 22 Billionen US-Dollar pro Jahr, was mehr als zehn Prozent der Weltwirtschaft entspricht.
Für Banken, Versicherer und Investoren stellt dies ein wachsendes Problem dar. Traditionelle Risikomodelle basieren weitgehend auf historischen Daten. Doch gerade bei geopolitischen Ereignissen erweist sich die Vergangenheit zunehmend als unzuverlässiger Wegweiser für die Zukunft.
Große Finanzinstitute erkennen das inzwischen offen an. So warnte die Citigroup kürzlich vor der Nutzung rückwärtsgerichteter Modelle, während Morgan Stanley betont, dass die Finanzbranche geopolitische Risiken grundlegend anders anzugehen hat.
Das Risikoberatungsunternehmen Verisk Maplecroft hat daher den sogenannten Predictive War Index entwickelt. Mithilfe von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen berechnet das Modell die Kriegswahrscheinlichkeit in einem Land innerhalb der nächsten zwölf Monate.
Für die Entwicklung wurden politische, wirtschaftliche und soziale Daten aus der Zeit von 1995 bis 2022 verwendet. Auf dieser Basis versucht das System, Muster zu erkennen, die bewaffneten Konflikten vorausgehen.
Verisk zufolge hätte das Modell bereits Anfang Januar eine 66-prozentige Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch eines Krieges im Iran innerhalb von anderthalb Monaten angezeigt. Das ergaben nachträgliche Tests. Der aktuelle Krieg war übrigens nicht in den Trainingsdaten des Modells enthalten.
„Investoren und Versicherer wollen nicht mehr nur wissen, was passiert ist, sondern vor allem, was passieren könnte“, sagt Sam Haynes, Leiter Daten und Analysen bei Verisk Maplecroft.
Neben dem Kriegsmodell hat Verisk auch einen Geopolitical Relations Index entwickelt. Dieser analysiert die Beziehungen zwischen Ländern und misst, wie sich Spannungen entwickeln.
Das System betrachtet dabei unter anderem frühere militärische Konfrontationen, Gemeinsamkeiten in politischen Systemen und geografische Nähe. Auf dieser Grundlage wird eingeschätzt, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass Spannungen zwischen zwei Ländern zunehmen.
Die Entwicklung zeigt, wie stark geopolitische Risiken inzwischen in die Finanzwelt vorgedrungen sind. Während Anleger früher vor allem auf Inflation, Unternehmensgewinne und Zinsentscheidungen blickten, spielen Kriege und internationale Spannungen inzwischen eine immer größere Rolle bei den Entscheidungen an der Wall Street.
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