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Die Ölpreise geraten weltweit unter Druck, weil das Friedensabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran eine neue Welle von Öl auf den Markt bringt. Das zusätzliche Angebot übersteigt die Nachfrage, weshalb Analysten immer häufiger vor einem drohenden globalen Überschuss an Rohöl warnen.
Der Stimmungsumschwung ist bemerkenswert. Vor nicht einmal drei Monaten erreichte die wichtigste Öl-Benchmark ein Rekordniveau, während Spitzenmanager der Branche noch vor historisch niedrigen Lagerbeständen warnten. Inzwischen hat sich die Lage vollständig gedreht: Der Markt fürchtet nicht mehr Knappheit, sondern ein Überangebot an Öl.
Obwohl der weitere Verlauf des Konflikts unsicher bleibt und ein Teil der Produktion im Nahen Osten weiterhin stillsteht, ist die Kriegsprämie aus dem Ölpreis verschwunden. Brent-Öl ist seit dem Höchststand Ende April um 43 Prozent gefallen. Der physische Ölmarkt zeigt inzwischen Schwächesignale, wie sie seit dem Nachfrageeinbruch während der Coronakrise nicht mehr zu beobachten waren.

Für die Weltwirtschaft ist das eine wichtige Wende. Die Sorge vor einer neuen Inflationswelle durch teure Energie ist nahezu verschwunden. Statt Knappheit droht nun ein Überangebot an Öl.
Davon profitieren vor allem Verbraucher, denn ein Überangebot bedeutet günstigeren Kraftstoff und weniger Inflation. Der Druck liegt bei den Produzenten. Ölstaaten wie Saudi-Arabien sehen ihre Staatseinnahmen schwinden, während Ölkonzerne sinkende Gewinne hinnehmen und Investitionen in neue Förderprojekte streichen.
Damit verschiebt sich auch die Debatte innerhalb der OPEC. Die Frage lautet nicht mehr, wie schnell die großen Ölproduzenten ihre Förderung wieder hochfahren können. Der Markt will vor allem wissen, ob sie bereit sind, das Angebot erneut zu begrenzen, um den Preis zu stützen. Bleibt das aus, könnte ein neuer Kampf um Marktanteile entstehen.
Immer mehr Analysten gehen davon aus, dass das zusätzliche Angebot den Markt in den kommenden Monaten belasten wird. Morgan Stanley und Goldman Sachs warnen etwa, dass der Ölmarkt im kommenden Jahr auf einen Überschuss zusteuert. Auch Kitt Haines von Energy Aspects spricht von einer überwiegend negativen Stimmung am Ölmarkt.
Schon bevor die Vereinigten Staaten und Iran Mitte Juni eine Einigung über die Wiedereröffnung der Straße von Hormus erzielten, hatten Ölproduzenten am Persischen Golf ihre Exporte erhöht. Seitdem sind mehr als 60 Millionen Barrel hinzugekommen, die während des Krieges nicht verschifft werden konnten. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate exportieren inzwischen wieder fast so viel Öl wie vor dem Konflikt, während iranisches Öl dank Ausnahmen von US-Sanktionen erneut auf dem Weltmarkt auftaucht.
Gerade dieses zusätzliche Angebot sorgt nun für Probleme. Der Ölmarkt hat sich in den vergangenen Monaten auf geringere Liefermengen eingestellt, während der größte Abnehmer weitgehend abwesend bleibt. China, das seine Importe während des Krieges um rund fünf Millionen Barrel pro Tag zurückfuhr, hat seine Käufe bislang kaum wieder erhöht.
Nach Einschätzung von Natasha Kaneva, Leiterin der Rohstoffanalyse bei JPMorgan, kann ein großer Teil des Öls, das nun wieder durch die Straße von Hormus verschifft wird, am Ende nur ein Ziel haben: China. Doch China kaufe derzeit nicht, fasst sie die Lage zusammen. Gleichzeitig gelangen weiterhin Millionen Barrel aus den strategischen Ölreserven der USA auf den Markt, die während des Krieges freigegeben wurden, um einen drohenden Engpass abzufedern.
Dieser Überschuss ist inzwischen klar sichtbar. An den Terminmärkten in den Vereinigten Staaten, Europa und Asien herrscht Contango, also eine Marktsituation, in der Öl zur späteren Lieferung teurer ist als Öl zur sofortigen Lieferung. Das schafft für Händler einen Anreiz, Öl einzulagern, statt es unmittelbar zu verkaufen.
Dennoch ist es zu früh für die Schlussfolgerung, dass der Ölmarkt dauerhaft mit einem Überschuss zu kämpfen haben wird. Ein wesentlicher Teil des zusätzlichen Angebots besteht aus Öl, das während des Krieges festsaß und nun doch noch den Markt erreicht. Dieser Zustrom ist zwangsläufig vorübergehend. Zudem liegt die Ölförderung in der Golfregion weiterhin deutlich unter dem Niveau von vor dem Konflikt. Laut Bloomberg produzierte die OPEC im Juni noch immer 28 Prozent weniger Öl als im Februar.
Auch die Nachfrage nach Ölprodukten bleibt vergleichsweise robust. Diesel ist in Europa deutlich teurer als Rohöl, unter anderem wegen eines starken Rückgangs der russischen Exporte. Zugleich liegen die Benzinvorräte in den USA deutlich unter dem saisonalen Durchschnitt. Hinzu kommt, dass die Freigabe von Öl aus den strategischen Reserven der USA nach Angaben der Internationalen Energieagentur im kommenden Monat nahezu endet. Einige Analysten erwarten sogar, dass Regierungen ihre Vorräte anschließend wieder auffüllen werden, was die Ölnachfrage stützen könnte.
Wie sich der Ölmarkt in den kommenden Monaten entwickelt, hängt vor allem von drei Faktoren ab: Hält das fragile Friedensabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran, ist OPEC+ bereit, die Produktion erneut zu begrenzen, und kehrt China als großer Käufer zurück?
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