Seit 2017 lastet ein Schatten auf Tether, dem Unternehmen hinter dem weltweit größten Stablecoin USDT. Geldstrafen, Vergleiche und anhaltende Zweifel an den Rücklagen haben das Vertrauen jahrelang erschüttert. Nach vielen Versprechungen zieht Tether nun erstmals schwere Geschütze aus der Buchhaltungswelt auf.
Von Momentaufnahmen zu umfassenden Prüfungen
Tether erhält derzeit vierteljährliche Bestätigungsberichte vom italienischen Büro BDO Italia. Diese sind im Grunde Momentaufnahmen: Sie bestätigen zu einem bestimmten Zeitpunkt, dass die Rücklagen vorhanden sind, bieten aber keinen kontinuierlichen Überblick über die finanzielle Gesundheit des Unternehmens.
Eine vollständige Prüfung geht weit darüber hinaus. Dabei werden Vermögenswerte, Schulden, interne Kontrollen und Berichtssysteme über einen längeren Zeitraum untersucht. Das bietet Investoren und Aufsichtsbehörden erheblich mehr Sicherheit.
Welches Big-Four-Unternehmen (Deloitte, EY, KPMG oder PwC) beteiligt ist, wurde nicht bekannt gegeben. Die Big Four sind die vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften weltweit: Deloitte, EY, KPMG und PwC.
„Die Auswahl des Big-Four-Unternehmens erfolgte in einem kompetitiven Prozess, da die Organisation bereits auf Big-Four-Prüfungsniveau operiert,“ sagte CFO Simon McWilliams, der Anfang 2025 ernannt wurde, in der Pressemitteilung.
Jahrelang unter Beschuss
Die Kritik an Tether ist nicht unbegründet. 2021 verhängte die amerikanische Commodity Futures Trading Commission (CFTC) eine Strafe von 41 Millionen Dollar, weil Tether über die Deckung von USDT gelogen hatte.
Der Stablecoin, eine Kryptowährung, die darauf ausgelegt ist, immer einen Dollar wert zu sein, war in einem Zeitraum von 26 Monaten nur zu 27,6 Prozent tatsächlich vollständig gedeckt.
Früher im selben Jahr einigte sich Tether mit der Generalstaatsanwaltschaft von New York auf eine Zahlung von 18,5 Millionen Dollar. Diese beschuldigte Tether und die Schwesterfirma Bitfinex, Verluste in Höhe von 850 Millionen Dollar verschleiert zu haben. Generalstaatsanwältin Letitia James bezeichnete die Behauptung, dass USDT stets vollständig gedeckt sei, als „Lüge“.
Der Gegensatz zum Konkurrenten Circle ist deutlich. Dieser lässt USDC, den zweitgrößten Stablecoin auf dem Markt, seit 2022 jährlich von Deloitte prüfen und veröffentlicht monatliche Berichte. USDC ist mit 56 Milliarden Dollar deutlich kleiner, gilt jedoch als Maßstab in Sachen Transparenz.
Regulierung zwingt zum Handeln
Der Druck durch Vorschriften wächst von allen Seiten. In der EU verlangt die MiCA-Verordnung unabhängige Prüfungen für Stablecoins. Tether erfüllt diese nicht und USDT wurde inzwischen von großen europäischen Börsen wie Binance und Kraken für EU-Nutzer entfernt.
In den USA verpflichtet der GENIUS Act große Stablecoin-Emittenten (mit mehr als 50 Milliarden Dollar an ausstehenden Tokens) zu jährlichen Prüfungen. Mit 184 Milliarden Dollar an ausstehenden USDT fällt Tether eindeutig in diese Kategorie.
Tether hat jedoch bereits einen separaten Stablecoin für den US-Markt: USAT. Dieser wird über das regulierte Anchorage Digital herausgegeben und hat bereits eine Bestätigung von Deloitte erhalten. Aber USAT, das im Januar eingeführt wurde, ist ein kleines Produkt im Vergleich zu USDT, das weltweit gehandelt wird und auch in großem Umfang auf amerikanischen Plattformen zirkuliert.
Laut CEO Paolo Ardoino war es immer Tethers Ziel, durch Taten statt Versprechen Vertrauen aufzubauen.
„Vertrauen entsteht, wenn Institutionen bereit sind, sich vollständig der Kontrolle zu öffnen. Diese Prüfung repräsentiert jahrelange Arbeit, um unsere Systeme zu stärken, damit Tether den höchsten Standards in der globalen Finanzwelt entspricht,“ so der Chef des Stablecoin-Riesen.
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