In den USA liegt ein Gesetzesentwurf auf dem Tisch, der Politikern und Regierungsmitarbeitern die Teilnahme an sogenannten Vorhersagemärkten untersagen soll. Hintergrund ist die Befürchtung, dass Insider ihr Wissen nutzen könnten, um von politischen oder geopolitischen Ereignissen finanziell zu profitieren.

Der Entwurf stammt vom demokratischen Kongressabgeordneten Ritchie Torres und wird von etwa 30 Mitgliedern des Repräsentantenhauses unterstützt, darunter die ehemalige Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi.

Was sind Vorhersagemärkte?

Vorhersagemärkte sind Online-Plattformen, auf denen Nutzer auf den Ausgang von Ereignissen wie Wahlen, politischen Entscheidungen oder internationalen Konflikten wetten können.

Bekannte Beispiele sind Polymarket und Kalshi. Diese Märkte werden in den USA als Finanzprodukte reguliert und unterliegen der Aufsicht der Commodity Futures Trading Commission.

Befürworter argumentieren, dass solche Märkte effizient Informationen sammeln und Erwartungen schnell widerspiegeln. Kritiker warnen jedoch vor Interessenkonflikten, wenn Personen mit politischem Einfluss selbst teilnehmen können.

Hintergrund: Gewinn kurz vor politischer Aktion

Die Diskussion flammte letzte Woche nach einer auffälligen Transaktion auf Polymarket auf. Ein Händler verdiente über 400.000 Dollar, indem er auf die Absetzung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro wettete.

Der Einsatz wurde nur wenige Stunden vor der tatsächlichen Festnahme Maduros durch US-Spezialeinheiten platziert.

Dies führte zu Fragen über mögliche Insiderinformationen in politischen und Sicherheitskreisen in Washington.

Laut Torres zeigt dies die Verwundbarkeit des Systems. In einer Erklärung sprach er von „einer gefährlichen Verbindung zwischen politischer Macht und finanziellen Anreizen“.

Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass Bundesbeamte keine Märkte nutzen dürfen, wenn sie über „wesentliche, nicht öffentliche Informationen“ verfügen oder Einfluss auf das Ergebnis haben.

Vergleich mit Börsenregeln

Der Entwurf basiert auf Prinzipien des Wertpapierrechts, wo Insiderhandel verboten ist. Obwohl Vorhersagemärkte formal keine Börsen sind, sind die Einreicher der Meinung, dass das gleiche ethische Rahmenwerk gelten sollte.

Auch Senator Chris Murphy äußerte scharfe Kritik. Seiner Meinung nach schaffen solche Märkte „finanzielle Anreize, um politische Ergebnisse zu manipulieren oder zu beschleunigen“.

Nicht alle sind mit dem Vorschlag einverstanden. Loxley Fernandes, Direktor des Blockchain-Unternehmens Dastan, meint, dass Insider gerade zur besseren Markteinformation beitragen können.

Ihm zufolge sind Vorhersagemärkte keine Casinos, sondern Instrumente zur schnellen Wissensverarbeitung. Er erkennt jedoch an, dass klare Regeln nötig sind, um Missbrauch zu verhindern.

Ob der Gesetzesentwurf durchkommt, ist noch unklar. Die Diskussion berührt eine weitergehende Frage: Wie weit dürfen Finanzmärkte in die politische Sphäre vordringen?

Befürworter sehen das Verbot als notwendig an, um das Vertrauen in die Demokratie zu schützen. Gegner befürchten, dass Regulierung Innovation und Transparenz behindert.

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