Der US-Dollar verliert an Glanz. Handelskonflikte, eine riesige Staatsverschuldung und schwindendes Vertrauen in die wirtschaftliche Führung der Vereinigten Staaten führen zu einem allmählichen, aber signifikanten Rückgang des Dollarwerts.
Wo der US-Dollar jahrzehntelang die unangefochtene internationale Reservewährung war, scheint nun eine Verschiebung stattzufinden. Dies geht aus einem Bericht von Reuters hervor.
Von Überbewertung zur Korrektur
Nachdem der Dollar jahrelang überbewertet war, scheint er nun in eine Korrekturphase einzutreten. Der Index, der die Stärke des Dollars misst, der DXY, fiel um mehr als 10 Prozent im Vergleich zum Höhepunkt im Januar. Dies ist einer der schärfsten Rückgänge seit Monaten. Währungsstratege George Vessey von Convera meint, es gäbe „noch genügend Raum für weitere Schwächung“.
Der Dollar handelte zu Beginn dieses Jahres sogar bis zu 22 Prozent über seinem 20-jährigen Durchschnitt. Ein weiterer Rückgang um 10 Prozent würde die Währung auf Niveaus aus der ersten Amtszeit von Donald Trump zurückbringen.
Die jüngste Kreditabstufung der Vereinigten Staaten durch Moody’s verschlechterte die Stimmung weiter. Investoren zweifeln zunehmend an dem Dollar als sicheren Hafen, auch wegen des steigenden amerikanischen Haushaltsdefizits. Analysten warnen, dass Trumps Steuerpläne das Defizit um 3 bis 5 Billionen Dollar erhöhen könnten, zusätzlich zu einer bestehenden Staatsverschuldung von über 36 Billionen Dollar.
Laut George Saravelos von der Deutschen Bank sorgt der Mangel an Haushaltsdisziplin für zunehmende Nervosität auf den Märkten. Obwohl das Weiße Haus betont, dass Trump eine „Stark-Dollar-Politik“ verfolgt, denken immer mehr Investoren anders darüber.
Abfluss droht aus Asien
Die Bedrohung kommt nicht nur von innen. Asiatische Länder wie China, Südkorea und Taiwan besitzen gemeinsam etwa 2,5 Billionen Dollar an Dollarreserven. Analysten warnen, dass selbst eine leichte Umstrukturierung dieser Positionen große Auswirkungen auf den Dollar haben könnte. Der jüngste schnelle Wertanstieg der taiwanesischen Währung illustriert die fragile Position des Dollars auf den Devisenmärkten. Ein kleiner Abfluss von taiwanesischen USD-Reserven hatte große Auswirkungen.
Aber auch die bewussten Versuche der BRICS-Länder, um weniger abhängig vom Dollar zu sein, spielen eine Rolle. Seit letztem Jahr verwenden BRICS-Länder immer mehr lokale Währungen bei der Abwicklung von bilateralem Handel.
Vertrauen wankelt
Der amerikanische Verbraucher bleibt trotz all dieser Gegenwinde bemerkenswert widerstandsfähig, was eine weitere Schwächung möglicherweise vorübergehend verzögern könnte. Doch laut Analyst Jack McIntyre von Brandywine Global ist der Trend klar: „Es geht jetzt vor allem um Gelegenheiten, den Dollar bei Stärke zu verkaufen.“
Die Kombination aus inländischer fiskalischer Unsicherheit und ausländischem Abbau von Dollarpositionen markiert einen möglichen Wendepunkt. Das Image des US-Dollars als ultimativer sicherer Hafen steht unter Druck, und mit diesem Image auch der fundamentale Wert der US-Währung.
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