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Die amerikanische Zentralbank, die Federal Reserve, gibt heute Abend ihren Zinsentscheid bekannt. Dies geschieht um 20:00 Uhr deutscher Zeit, gefolgt von der ersten Pressekonferenz des neuen Vorsitzenden Kevin Warsh um 20:30 Uhr. Es ist das wichtigste Ereignis der Woche für sowohl die Aktienmärkte als auch für den Kryptobereich.
Die Finanzmärkte gehen nahezu einhellig davon aus, dass die Fed den Zinssatz unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent belässt. Die Wahrscheinlichkeit dafür wird auf etwa 97 Prozent geschätzt. Damit wäre es die vierte Sitzung in Folge ohne Änderungen der Geldpolitik. Das Augenmerk liegt daher vor allem auf den Perspektiven für den Rest des Jahres und den ersten Signalen, die Warsh als neuer Vorsitzender aussendet.
Da eine Zinspause bereits weitgehend eingepreist ist, achtet der Markt vor allem auf die begleitenden Signale. Das wichtigste davon ist die sogenannte Dot Plot. Darin zeigen Fed-Mitglieder mit Punkten an, wo sie den Zinssatz in naher Zukunft sehen. Für Anleger ist das von Bedeutung, da es zeigt, ob die Zentralbank noch Spielraum für Zinssenkungen sieht oder mit einem länger anhaltenden hohen Zinsniveau rechnet.
Entscheidend ist auch der Ton der Fed. Die Zentralbank deutete zuvor auf mögliche Zinssenkungen hin, doch Ökonomen erwarten, dass diese Botschaft heute Abend abgeschwächt wird. Stattdessen könnte sich die Fed für eine neutralere Linie entscheiden, ohne klare Versprechungen über die nächsten Schritte.
Das liegt vor allem an der Inflation. Mit etwa vier Prozent bleibt sie weit über dem Zwei-Prozent-Ziel. Daher dreht sich die Diskussion nicht mehr nur darum, wann die Zinsen gesenkt werden können, sondern auch darum, ob später ein weiterer Anstieg notwendig wird.
Das Abkommen zwischen den USA und dem Iran verschafft der Fed etwas Luft. Durch den starken Rückgang des Ölpreises hat der direkte Inflationsdruck nachgelassen. Eine schnelle Zinserhöhung erscheint dadurch weniger wahrscheinlich.
Die große Frage ist nun, ob die Fed an der vorherigen Erwartung einer Zinssenkung in diesem Jahr festhält oder diesen Schritt verschiebt. JPMorgan erwartet, dass die Zinsen den Rest von 2026 unverändert bleiben und eine Erhöhung erst 2027 wieder ins Spiel kommt, sollte die Inflation hartnäckig bleiben.
Eine zusätzliche Schicht ist Warsh selbst. Der neue Vorsitzende der Federal Reserve leitet seine erste Zinssitzung, seit er Jerome Powell abgelöst hat. Investoren werden daher nicht nur auf die Entscheidung achten, sondern auch auf den Ton seiner ersten Pressekonferenz.
Warsh ist bekannt als Kritiker der Art und Weise, wie die Fed kommuniziert, mit ökonomischen Prognosen und ausführlichen Erklärungen. Einige Analysten erwarten daher, dass er Signale für einen anderen Ansatz gibt. Seine Pressekonferenz könnte daher genauso wichtig werden wie der eigentliche Zinsentscheid.
Sein Debüt fällt in eine bemerkenswerte Zeit. Die Aktienmärkte befinden sich dank der KI-Rally und der nachlassenden geopolitischen Spannungen nach dem Abkommen zwischen den USA und dem Iran nahe an Rekordständen. Gerade in einem so optimistischen Markt könnten die Worte eines neuen Fed-Vorsitzenden besonders schwer wiegen.
Für den Kryptomarkt ist die Entscheidung wichtiger, als die nahezu sichere Zinspause vermuten lässt. Der Ton der Fed bestimmt mit, ob die Risikobereitschaft, die Bitcoin diese Woche über 66.000 Dollar gehoben hat, bestehen bleibt. Ein überraschend strenger Ton oder ein Dot Plot, das auf einen möglichen Zinsanstieg hindeutet, könnte die Stimmung schnell kippen lassen. Umgekehrt könnte eine beruhigende Botschaft die Erholung stützen.
In solchen Momenten bewegt sich der Markt oft heftig in beide Richtungen. Die erste Reaktion nach 20:00 Uhr sagt zudem nicht immer alles aus, da der Ton der Pressekonferenz eine halbe Stunde später das Bild noch einmal verändern kann.
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