Freitag beginnen die Gespräche für vielleicht die einflussreichste wirtschaftliche Position der Welt: den Vorsitz der US-Zentralbank. Finanzminister Scott Bessent führt dann die ersten Bewerbungsgespräche für einen möglichen Nachfolger von Jerome Powell.
Trump will Kontrolle über Zinsen durch Fed-Spitze
Obwohl die Amtszeit von Fed-Vorsitzendem Jerome Powell erst im Mai 2026 endet, entscheidet sich die Trump-Regierung dafür, den Auswahlprozess weit im Voraus zu beginnen. Das Timing ist bemerkenswert, passt aber in das breitere Bestreben von Trump, die Zentralbank zu kontrollieren.
Powell wurde 2017 noch von Trump selbst ernannt, aber ihre Beziehung verschlechterte sich schnell. Laut Powell führten Trumps Importzölle sogar zu höherer Inflation, wodurch damals Zinssenkungen ausblieben: „Ohne diesen Effekt hätten wir den Leitzins wahrscheinlich bereits gesenkt,“ sagte er früher in Portugal.
Trump richtet seine Pfeile nun auch auf Fed-Gouverneurin Lisa Cook, die wegen Vorwürfen der Hypothekenbetrugs unter Beschuss steht. Er fordert öffentlich ihren Rücktritt. Früher diesen Monat trat auch Adriana Kugler überraschend als stimmberechtigtes Mitglied des Politikkomitees zurück. Ihr Rücktritt bietet Trump die Möglichkeit, einen Vertrauten zu installieren.
Lagarde warnt vor ‚gefährlicher Einmischung‘
Die Europäische Zentralbank (ECB) äußert derweil scharfe Kritik. Laut ECB-Präsidentin Christine Lagarde bringt der politische Druck auf die Fed die Unabhängigkeit der Geldpolitik in Gefahr. „Die Folgen für die Weltwirtschaft könnten groß sein,“ so Lagarde.
Dass die Zentralbank unter Trump zunehmend politischen Einfluss erfährt, sorgt auch unter Ökonomen für Uneinigkeit. Die Fed sollte unabhängig operieren, droht jedoch jetzt zum Spielball im Vorfeld der Wahlen von 2026 zu werden.
Zinssenkung am 17. September fast sicher
Trotz der Unruhen hinter den Kulissen achten Investoren vor allem auf die Zinsen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed am 17. September unter Trump erstmals die Zinsen senkt, wird derzeit auf 95,6 Prozent geschätzt.
Für den Kryptomarkt sind das positive Nachrichten. Niedrigere Zinsen machen das Leihen billiger, was Investitionen in risikoreiche Vermögenswerte wie Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH) fördert. Zuvor reagierte der Bitcoin-Kurs bereits empfindlich auf Zinserwartungen.
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