Die Weltwirtschaft steht am Vorabend einer Krise, die noch gravierender ausfallen könnte als die Finanzkrise von 2008. Das sagt der Makroökonom Henrik Zeberg in einem Interview. Seiner Ansicht nach sind Jahre extrem lockerer Geldpolitik, wachsende Schulden und anhaltende Inflation die Zutaten für eine Phase der Stagflation.
Stagflation droht, Haushalte tragen die Hauptlast
„Haushalte werden die Hauptlast tragen“, so Zeberg. „Menschen werden ihren Job verlieren. 2008 ließ sich die Wirtschaft noch durch Gelddrucken stabilisieren, doch heute ist die weltweite Verschuldung deutlich höher.“
Zeberg prognostiziert eine Lage, in der die Preise für Güter des täglichen Bedarfs weiter steigen, während die Einkommen unter Druck geraten und die Arbeitslosigkeit zunimmt. Das sei eine direkte Folge von siebzehn Jahren außergewöhnlich expansiver Geldpolitik seit der letzten Krise. Diese Politik habe ein „trügerisches Wohlstandsgefühl“ geschaffen, das nun unweigerlich zusammenbricht.
Immobilienmarkt als Kanarienvogel in der Kohlemine
Der US-Immobilienmarkt sendet laut Zeberg bereits deutliche Warnsignale. Häuser sind rund zwanzig Prozent teurer als vor fünf Jahren, während die Löhne nicht mithalten. Die Erschwinglichkeit ist dadurch eingebrochen.
Die Verkäufe bestehender Häuser liegen auf dem niedrigsten Niveau seit Jahrzehnten. Sollte die Arbeitslosigkeit steigen, befürchtet Zeberg eine Welle von Zwangsverkäufen und Zwangsversteigerungen. Das könnte eine Kettenreaktion auslösen, die auch den Kreditmarkt erfasst.
Starker Dollar setzt globale Schuldner unter Druck
Ein zusätzliches Risiko ist die aktuelle Stärke des US-Dollars. Für Schwellenländer mit hohen Dollar-Schulden bedeutet das höhere Kosten und größeren Druck auf ihre finanzielle Stabilität. Nach Zebergs Ansicht macht das die bevorstehende Krise global und nicht auf die Vereinigten Staaten oder Europa begrenzt.
Zebergs Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Märkte weltweit Rekordstände erreichen. Analysten verweisen darauf, dass Anleger gerade in Zeiten großer Unsicherheit häufiger in alternative Assets wie Gold und Bitcoin ausweichen. Ob diese in einem Szenario tiefer Stagflation tatsächlich Schutz bieten, bleibt umstritten.
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