Der Makroanalyst Jordi Visser warnt vor einer möglichen neuen Krisenphase an den Finanzmärkten. Seiner Einschätzung nach verlagert sich der Fokus derzeit von Technologie- und Softwareaktien auf den steigenden Ölpreis und die zunehmenden Spannungen im Finanzsektor.
Sein sogenanntes Turbulenzmodell befinde sich sogar bereits im „Krisenmodus“. Das könnte nichts Gutes für Bitcoin (BTC) verheißen.
Ein von Visser geteilter Chart zeigt, dass mehrere risikoreiche Marktsegmente gleichzeitig schwächeln. Dies könne ein frühes Signal für umfassendere finanzielle Unruhen sein, so Visser.

Was zeigt der Chart?
Um dies für den normalen Anleger verständlich zu machen, lassen sich die Bewegungen Schritt für Schritt analysieren:
- Die violette Linie (Softwareunternehmen Salesforce) zeigt, dass Wachstumsaktien schon seit längerem unter Druck stehen. Diese Aktien reagieren oft als erste, wenn Investoren weniger optimistisch in die Zukunft blicken.
- Die orange Linie (Investmentbank Jefferies) fällt ebenfalls deutlich. Das deutet auf verschlechternde Bedingungen an den Kapitalmärkten und weniger Aktivität im Bereich Fusionen und Übernahmen hin.
- Die grüne Linie (Finanz-/kreditabhängige Aktien) signalisiert, dass auch das Finanzsystem selbst Stressanzeichen zeigt.
- Die weiße Linie (Private-Equity-Index) bewegt sich erst später nach unten. Das ist bedeutsam, da private Märkte oft langsamer reagieren als börsennotierte Aktien.
Zusammen zeichnen diese Linien ein klassisches Muster: Zuerst fallen Wachstumsaktien, dann Finanzinstitute und schließlich private Märkte. Historisch gesehen trat dies öfter vor größeren Marktkorrekturen oder Rezessionen auf.
Warum spielt Öl plötzlich eine große Rolle?
Der jüngste Anstieg des Ölpreises aufgrund geopolitischer Spannungen erhöht die Verunsicherung. Höhere Energiepreise könnten die Inflation erneut anfachen und Zentralbanken dazu zwingen, länger eine strenge Zinspolitik zu verfolgen.
Dies bremst das Wirtschaftswachstum weiter und erhöht die Volatilität an den Finanzmärkten. Laut Visser könnte dies als Katalysator für eine breitere Spannungslage an den Märkten wirken.
Was bedeutet das für Bitcoin?
Auch der Kryptomarkt könnte davon betroffen sein. Das lässt sich folgendermaßen verstehen:
- Bitcoin gilt für viele Anleger als risikoreiche Investition, die von Optimismus und hoher Liquidität profitiert.
- Wenn Finanzinstitute und Kreditmärkte unter Druck geraten, nimmt die Risikobereitschaft oft schnell ab.
- Anleger verkaufen dann häufig zuerst ihre liquidesten und volatilsten Positionen, zu denen Bitcoin oft gehört.
Dadurch könnte das von Visser skizzierte Szenario den Bitcoin-Kurs erheblich belasten. Das trifft allerdings nur zu, wenn die Kurse tatsächlich weiter fallen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass die von ihm erwähnten risikoreichen Anlagen bereits einen Tiefpunkt erreicht haben.
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