Die Spannungen zwischen Iran und dem Westen verlagern sich auf eine neue Frontlinie: den weltweiten Energietransport. Angriffe auf Öltanker im Irak führten zur vorübergehenden Schließung von Häfen. China stoppt Kraftstoffexporte, Bahrain meldet Schäden an Speicheranlagen, und Oman evakuiert Schiffe.
Die Auswirkungen auf den Ölpreis sind unmittelbar spürbar: Brent steigt wieder über 100 Dollar pro Barrel.
Ölkrise betrifft gesamte Kette
War zuvor vor allem von Produktionsproblemen und der Blockade der Straße von Hormus die Rede, verschiebt sich die Bedrohung nun auf Transport und Verarbeitung. Der Öltransport wird unsicherer und teurer. „Es geht nicht mehr nur um das Angebot, sondern um die Sicherheit in der gesamten Kette“, sagt Charu Chanana von Saxo Markets.
Die USA wollen 172 Millionen Barrel aus ihren Reserven freigeben, und IEA-Mitgliedsstaaten erwägen, insgesamt 400 Millionen Barrel bereitzustellen. Doch das ist nur eine vorübergehende Lösung. Für LNG und Petrochemikalien gibt es überhaupt keine strategischen Reserven. Analystin Lorraine Tan warnt, dass auch Sektoren wie Landwirtschaft und Halbleiter betroffen sein werden.
Börsen fallen, private Kreditmärkte unter Druck
Die Börsen reagieren nervös. Amerikanische Futures fielen um etwa ein Prozent, asiatische Aktien verloren 1,6 Prozent. In Europa sanken die Futures um 0,8 Prozent. Obwohl die Inflationszahlen in den USA positiv waren, sind Anleger vor allem über die langfristigen Auswirkungen des Konflikts auf die Preise besorgt.
Auch auf den privaten Kreditmärkten gibt es Spannungen. Große Fonds, darunter Morgan Stanley und Cliffwater, schränken Auszahlungen nach plötzlichen Abflüssen ein. Der Stress verlagert sich somit von Öl auf breitere Teile des Finanzsystems.
Ölpreis auf dem Weg zu 150 Dollar?
Die Straße von Hormus ist seit über zwei Wochen praktisch geschlossen. Normalerweise fließen 20 % des weltweiten Ölhandels durch diese Meerenge. Analysten der Commonwealth Bank of Australia warnen, dass Brent auf 150 Dollar oder höher steigen könnte, wenn der Konflikt monatelang anhält.
Dilin Wu von Pepperstone sieht keinen Grund, mit einem anhaltenden Rückgang zu rechnen. Ihrer Ansicht nach gibt es keine Anzeichen für eine Deeskalation, und die geopolitische Risikoprämie bleibt vollständig bestehen.
Waffenstillstand scheint in weiter Ferne
Trump bekräftigte, dass der Krieg schnell enden könnte, und bereitet sich darauf vor, die Ölproduktion vor der Küste Kaliforniens wieder zu erlauben. Doch Iran stellt harte Bedingungen. Teheran fordert über Vermittler Garantien, dass weder die USA noch Israel das Land jemals wieder angreifen. Damit wird Washington nahezu sicher nicht einverstanden sein.
Unterdessen leitete die Trump-Administration neue Handelsuntersuchungen ein, die den Weg für zusätzliche Importzölle ebnen. Weitere Zölle zusätzlich zu steigenden Energiepreisen sind genau die Kombination, vor der Anleger am meisten Angst haben.
Fed könnte dieses Jahr nur noch einmal senken
Die Inflationszahlen vom Mittwoch waren positiv, aber am Freitag erscheint der PCE-Index – das bevorzugte Maß der Fed. Der Markt erwartet einen Anstieg von 0,4 Prozent im Monatsvergleich und 3,1 Prozent im Jahresvergleich. Trotzdem rechnen Händler nur noch mit einer Zinssenkung in diesem Jahr.
Der Krieg führt zu einer Pattsituation: Höhere Energiepreise treiben die Inflation an, während das Wirtschaftswachstum gebremst wird. Das erschwert das Handeln der Zentralbanken. Solange diese Patt-Situation andauert, bleiben Anleger zurückhaltend.
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