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Der Kryptobärenmarkt ist wahrscheinlich vorbei, sagt Tom Lee, Vorsitzender von Bitmine und Mitbegründer des Forschungsunternehmens Fundstrat. Laut Lee beginnt nun eine neue Zyklusphase, angetrieben durch Tokenisierung und Finanzdienstleistungen mit KI-Funktionen.

Auf der Konferenz Consensus 2026 in Miami verwies Lee auf die jüngste Stärke von Bitcoin (BTC) als wichtiges Signal. Seiner Meinung nach zeigt diese Bewegung, dass sich der Markt von der Abwärtsbewegung verabschiedet. Zuvor fiel der Bitcoin-Kurs von einem Rekordhoch von 126.000 Dollar im Oktober auf ein Tief von 60.000 Dollar im Februar.

Mit Tokenisierung meint Lee die Digitalisierung traditioneller Vermögenswerte wie Aktien, Immobilien und Anleihen auf der Blockchain. Dadurch können diese Assets schneller, kostengünstiger und einfacher gehandelt werden.

Drei positive Monate würden Bullenmarkt bestätigen

Nach positiven Monatsrenditen im März und April liegt Bitcoin im Mai bisher etwa 5 Prozent höher. Dies wäre der dritte positive Monat in Folge. „In einem Bärenmarkt hat Bitcoin noch nie drei Monate in Folge positiv abgeschlossen“, so Lee. „Wenn Bitcoin diesen Monat über 76.000 Dollar schließt, ist der Bärenmarkt endgültig vorbei.“

Lee glaubt, dass Anleger die aktuelle Erholung unterschätzen. Viele Marktteilnehmer stecken noch im negativen Sentiment des vorherigen Rückgangs fest. Gleichzeitig deuten technische Signale auf Stärke hin. So hat der erfahrene Händler John Bollinger kürzlich darauf hingewiesen, dass seine Trendmodelle für Bitcoin wieder positiv sind.

Lee hebt auch den breiteren Kontext hervor. Softwareaktien, die zuvor durch Sorgen über KI belastet waren, bewegen sich historisch oft im Einklang mit Bitcoin. Seitdem die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran zugenommen haben, schneiden Kryptoassets zudem besser ab als viele traditionelle Märkte. Innerhalb dieser Gruppe führt derzeit Ethereum (ETH).

Tokenisierung und KI als Antrieb einer neuen Zyklusphase

Laut Tom Lee wird die nächste Bullenmarktphase im Krypto-Bereich von zwei großen Entwicklungen geprägt: der Tokenisierung und dem Aufstieg der KI in Finanzsystemen.

Mit Tokenisierung meint er die Digitalisierung traditioneller Vermögenswerte wie Aktien, Immobilien und Anleihen auf der Blockchain. Gleichzeitig entstehen sogenannte KI-Agenten: Systeme, die ohne ständige menschliche Steuerung eigenständig Aufgaben ausführen.

Laut Lee benötigen diese KI-Systeme einen Weg, um eigenständig Werte zu transferieren. Dafür werden sie zunehmend Blockchain-Netzwerke und tokenisierte Finanzinfrastrukturen nutzen.

Er verweist auf das schnelle Wachstum von Stablecoins als Beweis dafür, dass dieser Wandel bereits im Gange ist. Stablecoins sind digitale Coins, die an Währungen wie den US-Dollar gekoppelt sind. Laut Lee übersteigt ihr Transaktionsvolumen mittlerweile das des Zahlungsriesen Visa.

Auch langfristig sieht er große Chancen. So erwartet der Vermögensverwalter Grayscale, dass der weltweite Wertpapiermarkt, der Hunderte Billionen Dollar umfasst, letztlich größtenteils in tokenisierter Form auf die Blockchain verlagert wird.

Lee sieht darin das Potenzial echter Wertschöpfung. „Die Netzwerke, die einen Großteil dieser Aktivitäten hosten, werden letztendlich den wirtschaftlichen Wert auf sich vereinen.“

Krypto-Unternehmen könnten Banken überholen

Laut Tom Lee könnte dieser Wandel die Finanzbranche grundlegend verändern. Er vergleicht den Bankgiganten JPMorgan, der in diesem Jahr voraussichtlich rund 60 Milliarden Dollar Gewinn bei 300.000 Mitarbeitern erzielt, mit Akteuren wie dem Stablecoin-Herausgeber Tether und dem Handelshaus Jane Street, die ähnliche Gewinne mit deutlich weniger Personal erwirtschaften.

Lee führt das darauf zurück, dass digitale Unternehmen, die auf der Blockchain als Abwicklungssystem aufbauen, viele traditionelle Prozesse überflüssig machen. „Sie beseitigen ganze Schichten von Ineffizienzen“, erklärt er.

Er prognostiziert, dass sich Krypto-Finanzunternehmen zunehmend wie Internetfirmen entwickeln werden, die in den letzten Jahrzehnten traditionelle Medien- und Telekommunikationsriesen verdrängt haben.

„In zehn Jahren wird die Hälfte der größten Finanzinstitute der Welt digital aufgebaut sein“, sagt Lee.

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