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Der Fokus des Marktes liegt derzeit auf dem Konflikt im Iran und dem starken Anstieg der Ölpreise, doch laut einem großen US-Investmentfonds brauen sich im Hintergrund weitere Probleme zusammen.
Tony Yoseloff vom führenden Kreditfonds Davidson Kempner warnt, dass der Private-Equity-Markt eine potenzielle Bedrohung für die Finanzwelt darstellen könnte. Dieses Problem ist seiner Ansicht nach kein Szenario für in fünf Jahren, sondern ein Risiko, das bereits heute akut ist.

In den letzten zehn Jahren entwickelte sich Private Equity zu einer der beliebtesten Anlageklassen an der Wall Street. In einem Umfeld extrem niedriger Zinsen konnten Investoren Unternehmen relativ günstig mit geliehenem Geld übernehmen.
Da die Zinsen nun strukturell höher liegen, beginnt diese Strategie Risse zu zeigen. Viele Unternehmen kämpfen mit schwachen Cashflows und steigenden Zinslasten, während die Schuldenverträge in der Vergangenheit oft flexibel gestaltet wurden. Diese explosive Kombination könnte laut Davidson Kempner zu einer Welle von Insolvenzen führen.
Ein zusätzliches Problem besteht darin, dass Private-Equity-Fonds ihre Beteiligungen nur schwer veräußern können. Weltweit liegen schätzungsweise unverkäufliche Beteiligungen im Wert von fast 4.000 Milliarden US-Dollar in den Portfolios. Solange Verkäufe solcher Beteiligungen unterbleiben, wird es zunehmend schwieriger, Renditen zu realisieren und neue Investoren zu gewinnen.
Insbesondere Übernahmen von Softwareunternehmen zwischen 2019 und 2022 gelten als anfällig. In diesem Zeitraum wurden oft hohe Bewertungen gezahlt, die auf optimistischen Wachstumserwartungen und niedrigen Finanzierungskosten basierten.
Da die Bewertungen im Technologiesektor unter Druck stehen und der Aufstieg der Künstlichen Intelligenz die Wettbewerbslandschaft verändert, drohen einige dieser Unternehmen ihre gesamte Eigenkapitalpuffer zu verlieren. Sobald die Bewertungsmultiplikatoren sinken, wird es laut Kreditspezialisten besonders schwierig, diesen Schaden wieder zu beheben.
Auch im Markt für Private Debt, in dem nicht börsennotierte Kredite an Unternehmen vergeben werden, häufen sich die Risiken. Immer häufiger entscheiden sich Unternehmen dazu, Zinsen nicht in bar zu zahlen, sondern der Schuldposition hinzuzurechnen – eine Praxis, die als Payment-in-Kind (PIK) bekannt ist.
Obwohl dies Insolvenzen vorübergehend aufschieben kann, vergrößert es langfristig den Schuldenberg. Schätzungen deuten darauf hin, dass mittlerweile Unternehmenskredite in den USA im Wert von hunderten Milliarden Dollar als „notleidend“ oder „gestresst“ eingestuft werden können.
Zudem verschlechtern sich wichtige Kreditindikatoren. So ist der Anteil der Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, die Zinsen aus dem operativen Gewinn zu decken, in den letzten Jahren stark gestiegen.
Die Situation erinnert an die Zeit vor der Finanzkrise von 2008. Auch damals wurden Risiken lange Zeit unterschätzt, da traditionelle Bewertungsmaßstäbe keinen ausreichenden Einblick in die zugrunde liegenden Schwachstellen des Finanzsystems boten.
Allerdings gibt es auch Unterschiede. Banken spielen heute eine weniger dominante Rolle bei der Vergabe risikoreicher Kredite, während ein großer Teil der Finanzierung nun außerhalb des regulierten Bankensystems erfolgt. Das könnte bedeuten, dass die Auswirkungen einer möglichen Korrektur anders verlaufen, aber nicht unbedingt weniger gravierend sind.
Für Investoren stellt sich die Kernfrage, ob der Markt für Privatkapital in den kommenden Jahren eine Quelle von Systemstress werden kann. Sollte das Wirtschaftswachstum weiter nachlassen oder die Zinsen länger hoch bleiben, könnte eine Welle von Restrukturierungen und Insolvenzen schwer zu vermeiden sein.
Vorerst scheint sich der Markt darüber noch wenig Sorgen zu machen. Doch wie die Geschichte mehrfach gezeigt hat, entstehen Finanzkrisen selten dort, wo ohnehin bereits alle hinsehen.
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