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Taiwan könnte einer nationalen Bitcoin-Reserve (BTC) näher sein als bislang angenommen. Der Abgeordnete Dr. Ko Ju-chun schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass das Land innerhalb von fünf Jahren eine strategische Bitcoin-Reserve aufbaut, derzeit auf 80 Prozent. Auf Sicht von zehn Jahren hält er einen solchen Schritt sogar für nahezu sicher.
Ko gilt als wichtigster Befürworter einer Bitcoin-Reserve im taiwanischen Parlament. Im April übergab er während einer Parlamentssitzung einen Bericht des Bitcoin Policy Institute (BPI) an Premierminister Cho Jung-tai und Zentralbankpräsident Yang Chin-long. Darin wird vorgeschlagen, zu prüfen, ob ein kleiner Teil der taiwanischen Devisenreserven von 602 Milliarden Dollar in Bitcoin angelegt werden kann.
Nach Ansicht von Ko sollten sich nationale Reserven nicht länger ausschließlich auf traditionelle Anlagen wie Fremdwährungen, Staatsanleihen und Gold stützen:
„Strategische Staatsreserven werden nicht dauerhaft auf klassische Währungen, Staatsanleihen oder Edelmetalle beschränkt bleiben. Die Welt hat sich verändert. In Extremsituationen wie Krieg, Sanktionen oder finanziellen Verwerfungen spielt Bitcoin bereits eine Rolle.“
Er betont, dass Bitcoin bestehende Reserven nicht ersetzen müsse, sondern sie ergänzen könne.
„Anders als Dollar oder Staatsanleihen ist Bitcoin keinem einzelnen souveränen Staat zuzuordnen. Und anders als Gold lässt sich Bitcoin digital übertragen und einfach verifizieren.“
Ko zufolge könnten die Neutralität, Zensurresistenz und weltweite Übertragbarkeit von Bitcoin die finanzielle Widerstandsfähigkeit Taiwans in geopolitischen oder wirtschaftlichen Krisen stärken.
Ko stellte einen Fahrplan in fünf Phasen vor. Zunächst soll die Regierung die Möglichkeiten umfassend prüfen, anschließend soll ein rechtlicher Rahmen ausgearbeitet werden. Danach will er einen begrenzten politischen Rahmen für digitale Vermögenswerte einführen, eine nationale Verwahrstruktur für Bitcoins aufbauen, die der Staat bereits besitzt oder beschlagnahmt hat, und schließlich ein Gesetz für eine offizielle strategische Bitcoin-Reserve verabschieden.
Nach Angaben von Ko sind die ersten Schritte inzwischen erfolgt. Die Untersuchungsphase begann nach Gesprächen zwischen dem Bitcoin Policy Institute und der taiwanischen Zentralbank. Zudem verabschiedete das Parlament am 30. Juni den Virtual Asset Service Act, mit dem ein Lizenzsystem für Kryptobörsen und Emittenten von Stablecoins eingeführt wurde.
„Taiwan hat gerade den Virtual Asset Service Act verabschiedet. Für mich ist das unser eigenes CLARITY-Moment.“
Damit verweist er auf den amerikanischen CLARITY Act, der derzeit im Senat liegt. Das Gesetz soll der US-Kryptobranche umfassende Rechtssicherheit und klare Regeln geben. Die Abstimmung über das Gesetz wird voraussichtlich im kommenden Monat stattfinden.
Ko erwartet dennoch, dass das Tempo in Taiwan vor allem von den politischen Kräfteverhältnissen abhängt. Die derzeitige Regierung stehe Bitcoin aus seiner Sicht zurückhaltend gegenüber, während eine künftige Mitte-rechts-Regierung möglicherweise schneller bereit wäre, eine strategische Reserve aufzubauen.
„Meine Einschätzung lautet daher: Die Chance liegt innerhalb von fünf Jahren bei etwa 80 Prozent und innerhalb von zehn Jahren bei nahezu 100 Prozent – zumindest ist sie sehr hoch, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen.“
Auch wenn die Zentralbank eine Bitcoin-Allokation bislang nicht unterstützt hat, sind Ko zufolge inzwischen sowohl die gesetzliche Grundlage gelegt als auch die Prüfung der Möglichkeiten eingeleitet worden.
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