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Die US-Börsenaufsicht SEC will eine wichtige Börsenregel abschaffen, die seit fast zwanzig Jahren bestimmt, wie Aktienorders ausgeführt werden. Befürworter argumentieren, dass diese Änderung den Weg für eine neue Generation von Finanzprodukten ebnen könnte, darunter tokenisierte Aktien auf Blockchain-Netzwerken.
Kritiker befürchten hingegen, dass die Maßnahme Anleger benachteiligen und einen der Grundpfeiler des US-Aktienmarkts beeinträchtigen könnte. Die Diskussion dreht sich um die sogenannte „Trade-Through-Regel“, die seit 2005 vorschreibt, dass Anleger den bestmöglichen Preis bei der Ausführung eines Aktienauftrags erhalten.
Die Trade-Through-Regel verbietet es Handelsplattformen, Orders zu einem schlechteren Preis auszuführen als anderweitig auf dem Markt verfügbar. Die Regel wurde eingeführt, um Anleger in einem zunehmend komplexen und fragmentierten Aktienmarkt zu schützen.
SEC-Vorsitzender Paul Atkins meint jedoch, die Regel lege zu viel Wert auf Preis und Geschwindigkeit. Andere Faktoren, wie die Wahrscheinlichkeit, dass ein Auftrag tatsächlich ausgeführt wird, sollten seiner Meinung nach ebenfalls stärker berücksichtigt werden.
Die SEC hat daher vorgeschlagen, die Regel vollständig abzuschaffen. Marktteilnehmer haben sechzig Tage Zeit, um Stellungnahmen abzugeben, bevor die Aufsichtsbehörde eine endgültige Entscheidung trifft.
Für den Kryptosektor könnte die Änderung weitreichende Folgen haben. Insbesondere Anbieter von tokenisierten Aktien sehen ein wichtiges Hindernis wegfallen.
Tokenisierte Aktien sind digitale Versionen von gewöhnlichen börsennotierten Aktien, die mittels Blockchain-Technologie gehandelt werden. Marktexperten zufolge haben diese Plattformen Schwierigkeiten, mit traditionellen Börsen zu konkurrieren, da sie ständig auf Handelsplattformen verweisen müssen, wo der beste Preis verfügbar ist.
Larry Tabb, Experte für Marktstruktur bei Bloomberg Intelligence, bezeichnet das derzeitige System als großes Hindernis für tokenisierte Aktien.
Alex Thorn, Forschungsdirektor beim Krypto-Investmentunternehmen Galaxy Digital, meint, dass die Abschaffung der Regel einen der größten Durchbrüche für den Handel mit tokenisierten Wertpapieren darstellen könnte. Viele DeFi-Plattformen würden unter den aktuellen Regeln nämlich ständig gegen Vorschriften verstoßen, wenn sie regulierte Aktien handeln.
Der Zeitpunkt des Vorschlags ist bemerkenswert. Immer mehr Finanzinstitute bereiten sich auf eine Zukunft vor, in der Aktien rund um die Uhr über Blockchain-Netzwerke handelbar sind.
Die Kryptobörse Bullish, unter der Leitung des ehemaligen NYSE-Chefs Tom Farley, kündigte kürzlich die Übernahme des Transferagenten Equiniti für 4,2 Milliarden Dollar an. Auch die New York Stock Exchange arbeitet an einer Handelsplattform für tokenisierte Aktien und ETFs.
Nasdaq prüft ebenfalls Anwendungen, bei denen börsennotierte Unternehmen mehr Kontrolle über digitale Versionen ihrer Aktien erhalten.
In der Zwischenzeit gab Coinbase diese Woche bekannt, außerhalb der Vereinigten Staaten tokenisierte Aktien anzubieten. Laut CEO Brian Armstrong handelt es sich dabei um vollständig gedeckte digitale Aktien, die Anlegern ein Dividendenrecht und einen direkten Eigentumsanteil gewähren.
Dennoch gibt es erhebliche Kritik an den Plänen der SEC. Gegner argumentieren, dass der US-Aktienmarkt gerade dank Regeln wie der Trade-Through-Regel erfolgreich geworden ist.
Joe Saluzzi von der Wertpapierfirma Themis Trading warnt, dass die Abschaffung der Regel vor allem Krypto-Unternehmen begünstigt und möglicherweise auf Kosten von Privatanlegern geht.
Seiner Ansicht nach hat sich der Markt in den letzten zwanzig Jahren an das aktuelle System angepasst. Das Umschreiben dieser Regeln, um neue Krypto-Initiativen zu ermöglichen, sei daher schwer zu rechtfertigen.
Die Diskussion zeigt, wie der Aufstieg der Blockchain-Technologie immer häufiger mit bestehenden Finanzvorschriften kollidiert. Das Ergebnis könnte entscheidend für die Zukunft von tokenisierten Aktien und die weitere Integration von Krypto in die traditionelle Finanzwelt sein.
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