Die Schweizer Glücksspielaufsicht (Gespa) hat eine Untersuchung zu den sogenannten „Right-to-Buy“-Token eingeleitet, die der Weltfußballverband FIFA im Vorfeld der WM 2026 verkauft. Die Behörde will prüfen, ob diese digitalen Token unter das Glücksspielrecht fallen, betont jedoch, dass bislang keine illegalen Praktiken vorliegen.
Gespa untersucht, ob die Token, die auf FIFAs eigenem NFT-Marktplatz gekauft, verkauft und gehandelt werden können, einer Form des Glücksspiels ähneln oder eher ein bedingtes Kaufrecht darstellen. „Wir sammeln derzeit Fakten, um zu bestimmen, ob weitere Schritte nötig sind“, erklärte Gespa-Direktor Manuel Richard gegenüber Bloomberg. Bislang hat die Aufsicht keine Hinweise auf Verstöße erhalten.
Was sind die FIFA Right-to-Buy-Token?
Die Token, kurz RTBs, sind digitale Zertifikate auf Basis der Blockchain-Technologie – sogenannte NFTs –, mit denen Inhaber das Recht erhalten, zu einem festen Preis Tickets für bestimmte Spiele der WM 2026 zu kaufen, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Es handelt sich also nicht um Tickets selbst, sondern eher um eine Art Reservierung für die Möglichkeit, Tickets zu erwerben.
FIFA führte dieses Konzept erstmals beim WM-Finale 2024 ein, als 1.000 dieser Rechte angeboten wurden. Mit einem bestimmten Nationalteam verknüpfte RTBs werden erst aktiviert, wenn sich dieses Team tatsächlich für das betreffende Spiel qualifiziert. Zudem lassen sich die Token auf FIFAs eigener Handelsplattform weiterverkaufen, die vom Technologiepartner Modex unterstützt wird.
Explosive Nachfrage nach WM-Tickets über NFTs
Für die WM 2026, die in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen wird, liegen die Preise der RTB-Token zwischen 299 und 999 Dollar. Der Preis hängt von der Popularität und den erwarteten Leistungen des gewählten Teams ab: Token für Außenseiter sind günstiger, während die für Favoriten wie Argentinien, Brasilien und England deutlich teurer sind. Viele dieser Token sind inzwischen bereits ausverkauft.
FIFA erklärt, dass diese neue Form des Ticketverkaufs entwickelt wurde, um der enormen Nachfrage gerecht zu werden. Bei der WM 2022 in Katar standen beispielsweise 3,4 Millionen Tickets zur Verfügung, während insgesamt rund 23 Millionen Anfragen eingingen.
FIFA setzt weiter auf Web3 und NFT-Technologie
Auch wenn der Hype um NFTs seinen Höhepunkt 2021 und 2022 erreichte, nutzt FIFA diese Technologie weiterhin aktiv für digitale Sammlerstücke, Zugangsrechte und andere innovative Anwendungen. Der Verband startete 2022 seine Web3-Strategie und brachte damals die Plattform „FIFA Collect“ auf der Blockchain von Algorand an den Start.
Im Dezember 2023 wurden 1.000 NFTs anlässlich der Klub-WM in Saudi-Arabien herausgegeben, von denen 100 Inhaber eine Chance auf Finaltickets für die WM 2026 boten. 2024 machte FIFA zudem einen wichtigen Schritt in die Welt des Blockchain-Gamings mit dem Mobile-Game FIFA Rivals, entwickelt gemeinsam mit Mythical Games. Spieler können darin ihre eigenen Klubs managen, gegeneinander antreten und NFT-Spielerkarten handeln.
Strategischer Wechsel zu Avalanche
Im Mai dieses Jahres entschied FIFA, seinen NFT-Marktplatz von der Algorand-Blockchain auf Avalanche zu verlagern. Der Wechsel soll es erleichtern, FIFA Collect mit beliebten Wallets und dezentralen Apps zu verbinden. Francesco Abbate, CEO von Modex und FIFA Collect, bezeichnete den Schritt dank der flexiblen AvaCloud-Infrastruktur als wichtigen technologischen Fortschritt.
Mit den sogenannten Avalanche Subnets kann FIFA zudem ein eigenes Blockchain-Netzwerk betreiben, das plötzlichen Aktivitätsspitzen standhält – etwa rund um Großturniere wie die WM. Bei einer weltweiten Fanbasis von über fünf Milliarden Menschen sei diese Skalierbarkeit aus Sicht der Organisation essenziell.
Zukunft von FIFAs NFT-Strategie und möglicher Regulierung
FIFAs „Right-to-Buy“-Token bewegen sich am Schnittpunkt von Technologie, Sport und Regulierung. Während Gespa prüft, ob diese digitalen Rechte unter das Glücksspielrecht fallen, nimmt ihre Popularität unter Fußballfans weltweit rasant zu. FIFA betrachtet die Token als Mittel, den Ticketverkauf fairer, transparenter und technologisch fortschrittlicher zu gestalten – und zugleich der größten Sportveranstaltung der Welt eine neue digitale Dimension zu verleihen.
Mit dieser Prüfung könnte das Ergebnis der Gespa Auswirkungen auf die Zukunft von NFT-Tickets und blockchainbasierten Verkaufsmodellen im Sport haben. Ob RTB-Token künftig unter strengere Regulierung fallen, ist vorerst unklar. Sicher ist jedoch: Die Art und Weise, wie Fans ihre WM-Tickets kaufen, steht am Vorabend einer digitalen Revolution.
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