Russische Unternehmen haben in den letzten Jahren vermehrt Bitcoin (BTC) und andere Kryptowährungen genutzt, um den Handel mit dem Iran zu ermöglichen.
Das geht aus einem exklusiven Interview mit einem russischen Geschäftsmann hervor, der beschreibt, wie Krypto, informelle Zahlungsnetzwerke und geschickte Logistikkonstruktionen zusammen ein alternatives System zum internationalen Bankwesen bildeten.
Handel war nahezu unmöglich
Das Kernproblem lag im iranischen Wechselkurssystem. Iran hatte gleichzeitig mehrere offizielle und inoffizielle Wechselkurse, was dazu führte, dass ausländische Unternehmen bei Exportgeschäften große Verluste erleiden konnten.
So lag der Marktkurs des Rial im Jahr 2024 bei rund 1,1 Millionen Rial pro Dollar, während der offizielle Ankaufskurs der Zentralbank etwa 600.000 Rial pro Dollar betrug.
Für Exporteure bedeutete dies:
- lange Wartezeiten von bis zu sechs Monaten für Dollarzahlungen
- hohe Steuerbelastung durch künstlich überhöhte Bewertungen
- Gesamtverluste, die bis zu etwa 40 Prozent pro Transaktion betragen konnten
Besonders für kleinere Unternehmen war das schlichtweg nicht tragbar. Hier kam Krypto ins Spiel.
Krypto als praktische Lösung
Um diese Hürden zu umgehen, entstand eine alternative Zahlungskette, in der Krypto eine zentrale Rolle spielte.
Das Vorgehen sah im Wesentlichen so aus:
- Russische Unternehmen schlossen Verträge in Dollar ab, zahlten jedoch in Rubel.
- Ein Mittelsmann in den Vereinigten Arabischen Emiraten wandelte diese Rubel in Krypto, etwa Bitcoin, um.
- Anschließend wurde die Zahlung digital an iranische Handelspartner weitergeleitet.
Dieses System machte internationale Transaktionen schneller und kostengünstiger, während es formal außerhalb direkter Sanktionsregelungen blieb. Laut Beteiligten wurde Krypto vor allem bei kleineren und mittleren Geschäften eingesetzt, während große Unternehmen oft auf traditionelle Bankzahlungen warteten.
Alte Systeme blieben bestehen
Neben Krypto wurde auch das Hawala-System genutzt, ein jahrhundertealtes informelles Geldnetzwerk, das über Vertrauenspersonen funktioniert. Dabei wird Geld lokal eingezahlt und an einem anderen Ort ausgezahlt, ohne physisch die Grenze zu überschreiten.
Obwohl effizient, birgt dieses System Risiken, da große Summen von persönlicher Vertrauenswürdigkeit abhängen.
Innovative Konstruktionen ohne grenzüberschreitende Zahlungen
Einige Unternehmen entwickelten sogar Systeme, bei denen Geld überhaupt keine Landesgrenzen passieren musste. Durch die lokale Nutzung von Einnahmen in iranischen Rial für Im- und Exportaktivitäten konnten Wechselkursverluste nahezu vollständig vermieden werden.
Die militärische Eskalation im Jahr 2025 setzte diesen Netzwerken abrupt ein Ende. Transportkorridore wurden geschlossen und die Finanzinfrastruktur gestört. Laut Insidern stehen die Vereinbarungen jedoch jederzeit bereit, um bei Stabilisierung der geopolitischen Lage erneut aktiviert zu werden.
Die Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie Krypto in der Praxis als alternatives internationales Zahlungssystem funktionieren kann, insbesondere wenn traditionelle Finanzwege blockiert sind.
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