Aktien von Waffenherstellern verzeichneten am Donnerstag starke Kursanstiege aufgrund zunehmender geopolitischer Spannungen.
Neue US-Sanktionen gegen Venezuela und auffällige Äußerungen von Donald Trump über Grönland lassen Anleger höhere Militärausgaben erwarten. Besonders das Papier von Lockheed Martin stand im Fokus durch extreme Kursschwankungen.
Lockheed Martin schwankt fast zehn Prozent innerhalb eines Tages
Die Aktie von Lockheed Martin (LMT) erlebte einen außergewöhnlich volatilen Handelstag. Am Mittwochnachmittag fiel der Kurs nach einem präsidialen Dekret von Trump. Dort wird festgelegt, dass große Rüstungsunternehmen vorerst keine Dividenden ausschütten und keine eigenen Aktien zurückkaufen dürfen. Diese Beschränkungen bleiben bestehen, bis das Weiße Haus mit der Produktionskapazität zufrieden ist.
Der Kurs sank von etwa 544 Dollar auf ein Tief von rund 496 Dollar, womit die Aktie innerhalb eines Handelstages fast 50 Dollar verlor. Die Stimmung drehte sich jedoch schnell. In einer weiteren Rede kündigte Trump an, das US-Verteidigungsbudget auf 1.500 Milliarden Dollar anheben zu wollen. Dies führte zu einer starken Erholung in Richtung 520 Dollar.

Die starken Schwankungen verdeutlichen, wie sensibel Rüstungsaktien derzeit auf politische Signale reagieren. Beschränkungen von Aktionärsbelohnungen drücken den Kurs, während Aussichten auf höhere Staatsausgaben für Kaufdruck sorgen.
Europäische Rüstungsindustrie auf Rekordniveau
Nicht nur amerikanische Aktien reagierten. In Europa erreichte der Rüstungssektor erneut ein Rekordhoch. Der STOXX Europe Aerospace and Defence Index stieg am Donnerstag um fast zwei Prozent und liegt dieses Jahr bereits dreizehn Prozent im Plus. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine ist der Index um 260 Prozent gestiegen.
Unternehmen wie Rheinmetall, Leonardo und BAE Systems profitierten von den breiteren geopolitischen Spannungen. Rheinmetall führte Anfang dieser Woche sogar die deutsche Börse mit einem Tagesgewinn von sieben Prozent an. Analysten verweisen auf strukturelle Veränderungen: Regierungen wollen langfristig mehr in militärische Schlagkraft investieren.
Venezuela und Grönland sorgen für geopolitische Unruhe
Der direkte Auslöser für die Turbulenzen waren neue US-Maßnahmen gegen Venezuela. Die USA beschlagnahmten diese Woche zwei Öltanker in Beschlag. Zudem flammte die Diskussion über Grönland wieder auf, nachdem Trump andeutete, das Gebiet doch kaufen zu wollen.
Die Kombination aus Öl, Souveränität und militärischer Strategie schürt bei Anlegern Ängste. Peter McLean von Stonehage Fleming dazu: „Anleger beginnen zu verstehen, dass Geopolitik keine vorübergehende Welle mehr ist. Sie ist zu einem festen Bestandteil der Marktdynamik geworden.“
Strukturelles Wachstum für den Rüstungssektor
Die Begeisterung für Rüstungsaktien geht über das kurzfristige Interesse hinaus. Europäische Regierungen haben mehrjährige Investitionen zugesagt. Die Auftragsbücher der größten Rüstungsunternehmen wuchsen 2024 um fünfzehn Prozent, und die Cashflows erreichten ein Rekordniveau von acht Milliarden Euro. Banken und Investmentfonds erweitern ihre Rüstungspositionen.
Die Europäische Investitionsbank verdreifachte ihre Kredite für Rüstungsunternehmen. Analysten sehen ähnliche Bewegungen auch in Asien, mit Wachstum bei unter anderem Mitsubishi Heavy Industries. Laut Fawaz Chaudhry von Fulcrum Asset Management bewegen wir uns in eine neue Phase, in der „harte Macht“ wieder zur Norm wird.
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