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Die US-Börse notiert auf Rekordniveau, doch unter der Oberfläche wächst ein neues Risiko. Nicht nur die Kurse steigen kräftig, auch die Gewinnerwartungen der Analysten ziehen in beispiellosem Tempo an.
Nach Daten von Bloomberg rechnen Analysten inzwischen mit einem Gewinnwachstum von 25 Prozent für die Unternehmen im S&P 500 im kommenden Jahr. Die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate wurden binnen nur sechs Monaten um fast 20 Prozent angehoben. Das ist der stärkste Anstieg seit der Erholung nach der Coronakrise.
Fraglich ist, ob der Markt damit nicht erneut zu optimistisch wird.
Der wichtigste Treiber der höheren Erwartungen ist künstliche Intelligenz. Analysten gehen davon aus, dass Chipkonzerne, Rechenzentren und Hyperscaler noch über Jahre hinweg außergewöhnlich hohe Gewinne erzielen können, getragen von der enormen Nachfrage nach Rechenleistung.
Das hält die Bewertungen auf dem Papier einigermaßen in Schach. Wenn die erwarteten Gewinne stark genug steigen, wirkt der Markt weniger teuer, selbst wenn die Kurse neue Rekorde erreichen. Der S&P 500 wird derzeit mit rund dem 20-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt. Das ist hoch, liegt aber noch nicht in der Nähe der Extremwerte aus der Dotcom-Blase.

Genau darin liegt jedoch das Risiko. Sind die Gewinnerwartungen zu hoch, ist die Bewertung weniger komfortabel, als sie erscheint.
Mehrere Investoren warnen inzwischen vor einer möglichen „Gewinnblase“. Gemeint ist damit nicht zwangsläufig eine Blase bei den Aktienkursen selbst, sondern eine Blase bei den Gewinnerwartungen, die diese Kurse rechtfertigen sollen.
Das Problem: Die Messlatte liegt extrem hoch. KI-Unternehmen müssen nicht nur weiter wachsen, sondern auch zeigen, dass die massiven Investitionen in Chips, Rechenzentren und Infrastruktur am Ende ausreichende Renditen abwerfen.
Steigen die Kosten schneller als die Umsätze oder übernehmen Kunden KI-Anwendungen langsamer als erhofft, könnten die Gewinne enttäuschen. Dann würde der Rally plötzlich ein wichtiges Fundament entzogen.
Hinzu kommt, dass sich die Zinserwartungen erneut gedreht haben. Während Anleger zu Jahresbeginn noch mit Zinssenkungen rechneten, preist der Markt inzwischen mindestens eine Zinserhöhung ein. Auch das verringert die Fehlertoleranz.
Höhere Zinsen belasten Bewertungen und verteuern die Finanzierung. Für einen Markt, der bereits von starkem Gewinnwachstum abhängt, ist das eine anfällige Kombination.
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