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Der Ölpreis ist stark gestiegen, nachdem Iran und Israel erneut Angriffe aufeinander geführt haben. Damit gerät der ohnehin fragile Waffenstillstand im Nahen Osten weiter unter Druck, während diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Konflikts kaum Fortschritte machen.
Der Preis für Brent-Öl stieg um fast fünf Prozent auf 97,75 Dollar pro Barrel. Anleger befürchten, dass eine weitere Eskalation des Konflikts die Ölversorgung aus der Region stören könnte.
Israel gab bekannt, militärische Ziele im Iran angegriffen zu haben, als Reaktion auf frühere iranische Raketenangriffe. Diese Vergeltungsaktion erfolgte trotz eines öffentlichen Appells von Präsident Donald Trump an Premierminister Benjamin Netanyahu, von einem Gegenschlag abzusehen und Raum für weitere Verhandlungen zu lassen.

Die Spannungen zwischen Iran und Israel flammten am Montag erneut auf. Laut der halboffiziellen iranischen Nachrichtenagentur Fars hat Iran Raketen auf die israelischen Luftwaffenbasen Nevatim und Tel Nof abgefeuert. Die Iranische Revolutionsgarde beschrieb den Angriff als Vergeltungsmaßnahme für israelische Angriffe auf mehrere iranische Städte am gleichen Tag.
Unterdessen versuchte der amerikanische Präsident Donald Trump die Lage zu deeskalieren. Nach den israelischen Angriffen forderte er den Iran auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Zudem äußerte er Kritik am israelischen Angriff auf Beirut am Sonntag. Gegenüber Axios sagte Trump, er werde Premierminister Benjamin Netanyahu drängen, auf weitere Vergeltungsmaßnahmen zu verzichten.
Die neuen Angriffe folgen auf eine Woche, in der die Gewalt im Nahen Osten erneut stark zunahm. Dadurch gerät der ohnehin fragile Waffenstillstand unter erheblichen Druck und die diplomatischen Gespräche scheinen weiter entfernt denn je. Anleger sorgen sich vor allem über die Auswirkungen auf die Energieversorgung, da die strategisch wichtige Straße von Hormus größtenteils für den Schiffsverkehr gesperrt ist. Über diese Route wird normalerweise ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Gasexports transportiert.
„Die Eskalation dieses Wochenendes zwischen Israel und Iran zeigt erneut, wie fragil der Waffenstillstand ist“, sagt Andy Lipow von Lipow Oil Associates. Seiner Meinung nach wächst durch die neue Gewalt das Risiko, dass die Straße von Hormus länger geschlossen bleibt als derzeit vom Markt erwartet. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass Iran zusätzliche Maßnahmen ergreift, um die Schifffahrt im Roten Meer zu behindern, steige.
Die Spannungen auf See nahmen in den vergangenen Tagen weiter zu. Das US-Zentralkommando meldete am Sonntag, zwei iranische Angriffs-Drohnen abgeschossen zu haben, die das internationale Schifffahrtsaufkommen in Hormus bedroht hätten. Das geschah nach einem Angriff mit sechs ballistischen Raketen auf Bahrain und Kuwait. Diese Raketen wurden abgefangen, woraufhin die USA iranische Radarinstallationen an der Küste angriffen.
Auch auf dem europäischen Gasmarkt war die Unruhe spürbar. Der Gaspreis stieg am Montag, da ein lang andauernder Konflikt die weltweite Ausfuhr von Flüssigerdgas beeinträchtigen könnte. Das trifft Europa zu einem empfindlichen Zeitpunkt, da es gerade dabei ist, die Gasreserven für den Winter aufzufüllen.
„Der Markt hat unterschätzt, wie weit die beteiligten Parteien noch auseinanderliegen“, sagt Haris Khurshid von Karobaar Capital. Seiner Meinung nach pendelt der Ölpreis ständig zwischen der Hoffnung auf eine Einigung und der harten Realität, dass keine der beiden Parteien wirklich ihre Position geändert hat. „Sobald der Optimismus den Fakten zu weit voraus ist, steigt der Ölpreis wieder an.“
Selbst wenn Washington und Teheran ein Abkommen erzielen, bedeutet das noch nicht, dass sich die Ölversorgung sofort normalisiert. Die Folgen des Konflikts sind inzwischen zu groß geworden.
So müssen zunächst die Seeminen in der Straße von Hormus geräumt werden, bevor der Schiffsverkehr vollständig wieder aufgenommen werden kann. Zudem kann es Monate dauern, bis stillgelegte Ölfelder wieder mit voller Kapazität arbeiten. Auch die durch Raketen- und Drohnenangriffe verursachten Schäden an Energieanlagen müssen erst behoben werden.
Gleichzeitig bestehen weiterhin wichtige politische Hürden. Ein Hauptstreitpunkt ist die Lage im Libanon. Iran fordert, dass es auch dort zu einem Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah kommt, bevor eine breitere Einigung mit den Vereinigten Staaten möglich ist. Ein Berater des iranischen obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei formulierte es kürzlich gegenüber CNN knapp: „Der Ball liegt jetzt bei Trump.“
Trump selbst ließ in einem Interview mit der Financial Times wenig Zweifel darüber, wer seiner Meinung nach das Sagen hat. Der amerikanische Präsident sagte, Premierminister Benjamin Netanyahu werde sich einer möglichen Einigung zwischen Washington und Teheran beugen müssen. „Ich bestimme, was passiert. Ich bestimme alles“, so Trump. Seiner Meinung nach habe Netanyahu letztlich kein entscheidendes Mitspracherecht.
Unterdessen versucht das Ölkartell OPEC+ den Markt zu beruhigen. Die Allianz stimmte einer neuen Erhöhung der Produktion für Juli zu, was 188.000 zusätzliche Barrel pro Tag bedeutet. Dennoch fragen sich Analysten, wie viel Effekt das tatsächlich haben wird. Solange die Exporte aus dem Persischen Golf gestört bleiben, können viele Produzenten diese zusätzliche Kapazität kaum nutzen.
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