Auch in dieser Earnings Season kommt der größte Teil des Umsatzwachstums aus dem Technologiesektor, insbesondere von Unternehmen, die von der Investitionswelle im Bereich der künstlichen Intelligenz profitieren. Dennoch gehen Strategen davon aus, dass dieser einseitige Fokus nicht nachhaltig ist und dass sich die Börse im Jahr 2026 allmählich breiter aufstellen wird.
Gewinnerwartungen des S&P 500 so gut wie seit 2021 nicht mehr
Laut Analysten der Bank of America steigen die Gesamtgewinne der Unternehmen im S&P 500 im vierten Quartal um etwa 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das liegt etwas unter den von Marktdaten suggerierten 9 Prozent, aber Aufwärtskorrekturen könnten dieses Bild noch verbessern. Die Gewinnerwartungen und Unternehmensprognosen sind laut der Bank so positiv wie seit 2021 nicht mehr.
Die US-Berichtssaison wird diese Woche von JPMorgan Chase eröffnet, gefolgt von den anderen großen Banken an der Wall Street.
Tech-Sektor bleibt die treibende Kraft, Rest hinkt hinterher
Vorerst bleibt die Technologiebranche der mit Abstand wichtigste Wachstumstreiber. Unternehmen außerhalb der Technologiebranche und der sogenannten Magnificent Seven verzeichnen laut Bank of America nur ein Gewinnwachstum von rund 1 Prozent. Dies verdeutlicht, wie stark der aktuelle Markt auf wenige Unternehmen konzentriert ist.
Mit Blick auf 2026 ändert sich das Bild. Analysten erkennen einen wachsenden Optimismus für zyklische Sektoren, unter anderem durch mögliche fiskalische Anreize, Steuererstattungen und politische Unsicherheiten im Hinblick auf die US-Zwischenwahlen.
Die Gewinnzuwächse der größten Tech-Unternehmen könnten von 8 Prozent im Jahr 2025 auf 9 Prozent im Jahr 2026 ansteigen. Außerhalb des Sektors wird hingegen ein Anstieg von 7 auf rund 11 Prozent erwartet.
Aufwärtstrend bei der Bewertung
Laut Marktdaten steigen die Gesamtgewinne des S&P 500 im Jahr 2026 um mehr als 15 Prozent auf durchschnittlich 314 Dollar pro Aktie. Das bedeutet, dass Aktien derzeit mit dem mehr als 22-fachen der erwarteten Gewinne der kommenden zwölf Monate gehandelt werden. Dies ist historisch gesehen eine hohe Bewertung.
Dennoch wachsen die Zweifel, ob alle KI-bezogenen Unternehmen diese Erwartungen erfüllen können. Analysten warnen, dass 2026 das Jahr sein könnte, in dem schwächere Akteure den Anschluss verlieren.
„Viele Unternehmen profitieren vom KI-Trend, aber nicht alle werden den Sprung zur Profitabilität schaffen“, erläutert Mark Malek von Siebert Financial. Er geht davon aus, dass ein Teil der aktuellen Lieblinge des Marktes das kommende Jahr nicht überleben wird.
Trennung zwischen Gewinnern und Verlierern
Diese Selektion scheint bereits begonnen zu haben. Unternehmen mit unklaren Ertragsaussichten haben erhebliche Kursverluste erlitten. Einige KI-Infrastrukturakteure stehen Dutzende Prozentpunkte unter ihren Höchstständen. Selbst profitable Schwergewichte bleiben nicht von Korrekturen verschont: Nvidia liegt etwa 10 Prozent unter seinem Höchststand, während Meta Platforms fast 20 Prozent eingebüßt hat.
Laut dem BlackRock Investment Institute bleibt Technologie zwar führend, aber es entsteht mehr Raum für Gewinnwachstum außerhalb des Sektors. Das Gewinnwachstum der „Magnificent Seven“ bleibt mit rund 20 Prozent stark, aber andere Unternehmen holen auf.
Markt wird breiter abgestützt
Technische Analysten sehen inzwischen Anzeichen dafür, dass sich die Rallye ausweitet. Sowohl der Dow Jones Industrial Average als auch der Dow Jones Transportation Average sind in den letzten Monaten zweistellig gestiegen. Nach klassischen Marktindikatoren deutet dies auf einen gesünderen und breiteren Aufschwung an der Börse hin.
Auch Vermögensverwalter sehen Chancen jenseits der bekannten Tech-Giganten. Kleine und mittlere Unternehmen schneiden besser ab als der Technologiesektor, was bedeuten könnte, dass die extrem überfüllte Position in KI-Aktien langsam abgebaut wird.
Die Analysten kommen zu einem verhalten optimistischen Fazit: Künstliche Intelligenz bleibt wichtig, aber 2026 könnte das Jahr werden, in dem sich die Börse weniger um ein einziges Narrativ dreht, sondern mehr um grundlegendes Gewinnwachstum auf breiterer Basis.
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