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Die Sorgen um die KI-Rallye haben in dieser Woche durch Micron einen deutlichen Dämpfer bekommen. Der US-Chiphersteller legte äußerst starke Quartalszahlen vor – und zeigte damit, dass die Nachfrage nach Speicher für KI-Rechenzentren weiterhin deutlich höher ausfällt als befürchtet.
Der Gewinn von Micron ist fast fünfzehnmal so hoch wie vor einem Jahr. Der Umsatz schnellte um nahezu 350 Prozent auf 41,5 Milliarden US-Dollar.
Micron profitiert von einem weltweiten Mangel an modernen Speicherchips, die für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle benötigt werden.

Die KI-Rallye drehte sich in den vergangenen Jahren vor allem um Nvidia. Grafikchips standen im Zentrum der Geschichte. Ohne diese Chips keine Rechenzentren, kein Training großer Sprachmodelle und keine KI-Revolution.
Inzwischen verschiebt sich jedoch ein Teil der Aufmerksamkeit auf den Speicher. KI-Chips von Unternehmen wie Nvidia und AMD benötigen High-Bandwidth Memory, um die riesigen Datenmengen schnell genug zu verarbeiten. Dieser Markt wird von wenigen Anbietern dominiert – darunter Micron, SK Hynix und Samsung.
Auch SanDisk liegt heute beispielsweise mit mehr als 5 Prozent im Plus. Die Speichersparte gewinnt damit wieder an Boden.

Das zeigt sich in den Margen. Die bereinigte Bruttomarge von Micron stieg auf knapp 85 Prozent, nach 39 Prozent vor einem Jahr. Für das laufende Quartal rechnet das Unternehmen sogar mit einer Marge von rund 86 Prozent.
Das sind Werte, die man eher von Softwarekonzernen erwartet als von einem zyklischen Chipproduzenten. Sie unterstreichen, wie außergewöhnlich die aktuelle Phase ist.
Speicher galt historisch als volatiler Markt, in dem sich Überkapazitäten und Preisrückgänge regelmäßig ablösten. Nun ist die Lage umgekehrt: Kunden wollen Planungssicherheit bei der Lieferung – und sind bereit, dafür deutlich mehr zu zahlen.
Eines der auffälligsten Signale: Micron hat 16 langfristige Vereinbarungen mit Großkunden geschlossen. Erstmals enthalten diese Verträge Vorauszahlungen in Milliardenhöhe, um Lieferungen abzusichern.
Das ist relevant. Es bedeutet, dass Kunden nicht nur auf künftige Kapazitäten hoffen, sondern sie schon heute verbindlich reservieren wollen. Für Micron schafft das deutlich mehr Transparenz über die Nachfrage in den kommenden Jahren.
Das bestätigt zugleich, dass KI-Infrastruktur für die größten Abnehmer kein kurzfristiger Hype ist. Amazon, Meta, Microsoft und Alphabet investieren zusammen Hunderte Milliarden US-Dollar in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur. Sie können sich Engpässe bei entscheidenden Komponenten nicht leisten.
Microns Zahlen kamen zu einem wichtigen Zeitpunkt. Chiptitel standen in den vergangenen Tagen unter Druck – wegen Gewinnmitnahmen, steigender Zinsen und Zweifel an hohen Bewertungen.

Doch die Ergebnisse von Micron schärfen das Bild. Die Aktie legte im nachbörslichen Handel um fast 16 Prozent zu und machte damit die Verluste von Anfang der Woche wett. Auch in Asien reagierten die Märkte deutlich: Der japanische Nikkei sprang um mehr als 4 Prozent nach oben, während der südkoreanische Kospi um über 5 Prozent zulegte.
SK Hynix stieg sogar um 13 Prozent – auch wegen Plänen, über eine US-Börsennotierung 29 Milliarden US-Dollar einzusammeln. Das zeigt, wie stark die KI-Speicherstory weiterhin ist.

Die Frage ist nun, ob die jüngste Verkaufswelle bei KI-Aktien tatsächlich einen Trendbruch markierte – oder vor allem eine schmerzhafte Korrektur innerhalb eines länger laufenden Bullenmarkts war.
Microns Zahlen sprechen eher für das zweite Szenario. Natürlich sind die Bewertungen hoch. Natürlich können Chiptitel nach massiven Kursanstiegen korrigieren. Und natürlich bleiben höhere Zinsen ein Risiko für Wachstumswerte.
Fundamental ist die Nachfrage nach KI-Infrastruktur jedoch nicht eingebrochen. Im Gegenteil: Die Zahlen von Micron deuten darauf hin, dass der Engpass beim Speicher eher größer wird.
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