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Die Magnificent Seven gerieten in den vergangenen Wochen deutlich unter Druck. Viele Anleger halten die jahrelange Hausse bei Mega-Cap-Techwerten inzwischen für beendet. Als Gründe werden vor allem überzogene KI-Investitionen, hohe Bewertungen, überfüllte Positionen und ein Markt genannt, der zunehmend an Breite gewinnt.

Es gibt jedoch auch eine andere Lesart.
Vielleicht trennten sich Anleger nicht von den Magnificent Seven, weil die fundamentale Investmentstory gebrochen ist. Vielleicht verkauften sie vor allem, weil sie Liquidität brauchten, um in andere Marktbereiche umzuschichten.
Nach Einschätzung des pseudonymen Analysten Lord Fed wurden Mega-Cap-Techwerte zum Geldautomaten der Wall Street.
Die Magnificent Seven wurden inzwischen fünf Wochen in Folge netto verkauft. Das Engagement von Hedgefonds in dieser Gruppe liegt etwa im fünften Perzentil der vergangenen drei Jahre.
Das bedeutet: Professionelle Anleger sind derzeit in den größten Gewinnern der vergangenen Jahre extrem defensiv positioniert.
Auch US-Technologiewerte wurden als Sektor deutlich verkauft. Halbleiterwerte verzeichneten bis einschließlich vergangenen Freitag sogar acht Handelssitzungen in Folge Nettoabflüsse.
Das klingt bearish, kann Lord Fed zufolge aber gerade ein konträres Signal sein. Wenn viele professionelle Anleger bereits verkauft haben, entsteht Spielraum für eine Erholung, sobald der Verkaufsdruck nachlässt.
Der Markt hat in den vergangenen Wochen klar an Breite gewonnen. Kapital floss aus großen Technologieunternehmen in Industrie, Finanzwerte, Small Caps und andere zurückgebliebene Sektoren.
Das ist gesund, solange daraus keine breite Flucht aus Aktien wird.
Entscheidend ist, dass der Index nicht mehr wie ein einziger Block handelt. Die Streuung zwischen einzelnen Aktien nimmt zu. Laut Lord Fed liegt die realisierte Volatilität der durchschnittlichen S&P-500-Aktie deutlich über der des Index selbst. Auch die Korrelation zwischen dem gleichgewichteten S&P 500 und dem klassischen S&P 500 ist historisch niedrig.
Das deutet auf einen Markt hin, der Anlegern entgegenkommt, die gezielt Einzeltitel auswählen. Nicht alles steigt oder fällt gleichzeitig. Investoren diskutieren wieder über Bilanzen, KI-Ausgaben, Margen, Positionierung und Gewinnwachstum einzelner Unternehmen.
Der KI-Trade ist Lord Fed zufolge noch nicht vorbei, verändert aber seinen Charakter.
Zunächst ging es vor allem um die Frage, wie groß KI werden könnte. Inzwischen rückt zunehmend die Rendite des nächsten investierten Dollars in den Mittelpunkt.
Davon profitieren vor allem Unternehmen, die an der KI-Investitionswelle verdienen: Chips, Speicher, Netzwerke, Energie, Infrastruktur und Rechenzentren. Unternehmen, die die Milliarden dagegen selbst ausgeben müssen, werden kritischer betrachtet.
Das erklärt den Druck auf die Hyperscaler. Nach Ansicht von Lord Fed ist diese Sorge inzwischen jedoch weitgehend eingepreist. Die Bewertungen der Hyperscaler sind im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren relativ niedrig. Anleger sind mit ihren Bedenken wegen KI-Investitionsausgaben also nicht früh dran. Möglicherweise kommen sie eher spät.
Das wichtigste Argument für eine Erholung liegt in der Kombination aus niedriger Positionierung und starken Gewinnerwartungen.
Für das zweite Quartal rechnet der Markt beim S&P 500 mit einem Gewinnwachstum von rund 22 Prozent. Das ist die höchste Erwartung vor einer Berichtssaison seit 2021.
KI-Infrastrukturunternehmen dürften mehr als die Hälfte dieses Wachstums liefern. Die zehn größten Beitragsleister stehen für einen enormen Teil des erwarteten Gewinnwachstums.
Damit ist die Konzentration am Markt weniger eindeutig, als sie oft dargestellt wird. Ja, die größten Unternehmen haben ein hohes Gewicht. Sie liefern aber auch einen großen Teil der Gewinne.
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