Der französische Krypto-Sicherheitsspezialist Ledger bereitet offenbar einen Börsengang in den USA vor. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Kreise.
Laut der Zeitung steht Ledger in Verhandlungen mit Investmentbanken wie Goldman Sachs, Barclays und Jefferies über eine mögliche Notierung in New York, bei der eine Bewertung von über 4 Milliarden Dollar angestrebt wird.
Sollten die Pläne umgesetzt werden, würde Ledger sich einer wachsenden Zahl von Kryptounternehmen anschließen, die den Schritt an die Börse wagen.
Von der Nischenlösung zur essenziellen Infrastruktur
Ledger wurde 2014 in Paris gegründet und entwickelte sich zu einem der größten Anbieter von Hardware Wallets weltweit. Diese physischen Geräte speichern private Schlüssel offline und gelten als eine der sichersten Methoden zur Aufbewahrung von Krypto. Im Gegensatz zu Online-Wallets oder Börsen sind Hardware Wallets nicht direkt mit dem Internet verbunden, was sie besser vor Hacks und Malware schützt.
Diese Sicherheit hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Daten von Chainalysis zufolge wurden im Jahr 2025 Krypto im Wert von über 3,4 Milliarden Dollar gestohlen. Auffällig ist, dass die größten Hacks immer umfangreicher werden: Einige Angriffe waren um ein Vielfaches größer als ein ‚durchschnittlicher‘ Hack früherer Jahre. Dies hat das Bewusstsein für Selbstverwaltung und Sicherheit erheblich gesteigert.
Von dieser Entwicklung profitierte Ledger deutlich. Das Unternehmen verzeichnete 2025 nach eigenen Angaben ein Rekordjahr mit einem Umsatz in „hunderten Millionen“. CEO Pascal Gauthier warnte bereits Ende letzten Jahres, dass digitale Diebstähle eher zunehmen als abnehmen werden, was die Nachfrage nach sicherer Aufbewahrung weiter ankurbele.
Warum ein Börsengang in den USA?
Auffällig ist, dass Ledger ausdrücklich einen Börsengang in den USA in Betracht zieht und nicht in Europa. Gauthier deutete im November 2025 an, dass „das Kapital für Krypto heutzutage vor allem in den USA liegt“. Der US-Markt bietet nicht nur tiefere Kapitalmärkte, sondern auch eine größere Gruppe institutioneller Investoren, die mittlerweile mit krypto-bezogenen Unternehmen vertraut sind.
Damit folgt Ledger einem breiteren Trend. In den letzten Monaten sind mehrere Kryptounternehmen an der Wall Street gestartet oder haben entsprechende Pläne angekündigt. Ein jüngstes Beispiel ist BitGo, ein großer Anbieter institutioneller Kryptoverwahrung. BitGo ging diese Woche an die New Yorker Börse, wo die Aktie am ersten Handelstag mit über 20 Prozent über dem Ausgabepreis eröffnete.
Zuvor entschieden sich auch Unternehmen wie Coinbase für eine US-Notierung. Dass Ledger nun möglicherweise folgt, zeigt, dass ‚Krypto-Infrastruktur‘ wie Verwahrung, Wallets und Sicherheit zunehmend als reifes und profitables Segment innerhalb der Branche wahrgenommen wird.
Sicherheit als Kern der nächsten Kryptophase
Der Zeitpunkt eines möglichen Börsengangs ist kein Zufall. Während frühere Börsengänge oft auf Handelsvolumen und Wachstum in Bullenmärkten setzten, verlagert sich der Fokus nun auf Stabilität, Compliance und Risikomanagement. Selbstverwaltung von Bitcoin und Krypto, oft in der Maxime „not your keys, not your coins“ zusammengefasst, steht nach mehreren Börsenpleiten und Hacks der letzten Jahre wieder im Mittelpunkt.
In diesem Kontext ist Ledger weniger abhängig von spekulativen Handelsaktivitäten als viele andere Kryptounternehmen. Die Nachfrage nach sicherer Aufbewahrung ist struktureller Natur und hängt mit der breiteren Akzeptanz von Krypto durch sowohl Privatpersonen als auch Institutionen zusammen.
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