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An der Wall Street dominieren die Gewinne, doch die Lage bleibt vorerst fragil. Aktien notieren überwiegend im Plus, Gold und Silber wirken robust, und Bitcoin (BTC) versucht, die Marke von 65.000 Dollar zurückzuerobern.

Der positive Impuls folgte auf einen schwachen US-Arbeitsmarktbericht, in dem die Beschäftigungsentwicklung ins Minus rutschte und damit schlechter ausfiel als erwartet.

Dadurch sank die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank im September von 64 auf 45 Prozent.

Für Anleger klingt das zunächst positiv. Ein schwächerer Arbeitsmarkt verschafft der Federal Reserve schließlich mehr Spielraum für einen vorsichtigen Kurs. Unter der Oberfläche ist das Bild jedoch weniger komfortabel.

Ölpreis zieht wieder an

Der Preis für Brent-Öl stieg heute Morgen auf fast 90 Dollar je Barrel, nachdem die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran erneut festgefahren waren. Anschließend folgte ein Rückgang um mehr als 3 Prozent nach Äußerungen eines pakistanischen Ministers, die Hoffnungen auf Entspannung weckten. Dennoch liegt der Preis weiterhin 20 Prozent höher als vor dem Krieg.

Brent-Ölpreis verharrt auf erhöhtem Niveau.
Brent-Ölpreis verharrt auf erhöhtem Niveau. Quelle: TradingView

Das ist entscheidend, weil der Markt den Ölschock noch immer weitgehend als vorübergehend einordnet. Anleger gehen implizit davon aus, dass die Diplomatie rund um Iran und die Straße von Hormus am Ende für Entlastung sorgt.

Das ist möglich. Bislang deuten die Nachrichten jedoch nicht überzeugend darauf hin. Solange Öl auf diesem Niveau verharrt, könnte die Inflation länger in Richtung 3 Prozent gedrückt werden. Damit ist das Problem der Federal Reserve nicht gelöst, selbst wenn der Arbeitsmarkt Risse zeigt.

Starke Gewinne stützen den Markt

Vorerst gelingt es den Aktienmärkten, die makroökonomischen Sorgen auszublenden. Der S&P 500 bewegt sich in der Nähe seiner Rekordhochs, während die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen auf dem höchsten Stand seit 2007 liegt. Normalerweise ist das keine einfache Kombination.

Der Markt akzeptiert diese Lage vorerst dennoch, weil die Unternehmensgewinne stark genug bleiben. Vor allem KI-Unternehmen stützen die Stimmung. TSMC, einer der wichtigsten Chipproduzenten der Welt, meldete gestern beispielsweise ein Plus von 45 Prozent beim Monatsumsatz.

Das bestätigt den Eindruck, dass der KI-Zyklus fundamental weiter robust ist. Der Markt signalisiert damit im Grunde: Solange die Gewinne stark genug sind, können Aktien höhere Zinsen und geopolitische Störgeräusche verkraften.

Doch der Spielraum schrumpft

Genau das macht den Markt jedoch anfällig. Aktien notieren nahe ihren Rekordständen. Der Arbeitsmarkt schwächt sich ab. Die Inflation bleibt unsicher. Die Anleiherenditen sind weiterhin erhöht. Und Öl bewegt sich erneut in die falsche Richtung.

Damit bleibt wenig Raum für Enttäuschungen. Eine schwächere Inflationszahl, ein weiterer Ölpreisanstieg oder erneut höhere Langfristzinsen könnten die Bewertungen rasch unter Druck setzen. Vor allem zinssensible Aktien wie Technologie- und Chipwerte bleiben vom Zinsumfeld abhängig.

Diese Woche wird entscheidend

Am Mittwoch wird der US-Verbraucherpreisindex veröffentlicht. Am Donnerstag folgt der Produzentenpreisindex. Die Zahlen sollen zeigen, ob die höheren Energiepreise bereits auf die breitere Inflation durchschlagen.

Besonders interessant werden die kurzfristigen Zinsen. Bleibt die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen trotz höherer Ölpreise, eines stärkeren Dollars und steigender Langfristzinsen stabil, hält der Markt an seinem Vertrauen in eine vorsichtige Fed fest.

Beginnt jedoch auch das kurze Ende der Zinskurve wieder zu steigen, ändert sich die Lage. Dann reicht der schwache Arbeitsmarktbericht vom Freitag nicht mehr aus, um die Zinssorgen zu zerstreuen.

Vorerst bleibt Wall Street im Plus. Doch ob diese Ruhe anhält, entscheidet der Ölpreis.

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