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Ein bislang wenig bekanntes KI-Start-up zieht im Silicon Valley plötzlich enorme Aufmerksamkeit auf sich. TypeSafe AI wurde vor gut einem Jahr noch mit rund 200 Millionen Dollar bewertet. Nun sollen Investoren bereit sein, das Unternehmen mit 10 Milliarden Dollar oder mehr zu bewerten.

Der Grund ist Jev, ein neues KI-Modell, das vergangene Woche vorgestellt wurde und nach Angaben von TypeSafe bei bestimmten Aufgaben etwa hundertmal günstiger und schneller ist als klassische Sprachmodelle wie ChatGPT und Claude.

Sollte sich diese Aussage bestätigen, träfe sie einen der größten Schwachpunkte des aktuellen KI-Booms: die enormen Kosten.

Nicht intelligenter, sondern günstiger

Jev will ausdrücklich nicht dasselbe leisten wie ChatGPT. Das Modell schreibt keine Texte, erstellt keine Bilder und führt keine ausführlichen Dialoge. Es wurde für einfache Entscheidungen innerhalb von Software entwickelt.

Etwa dafür, automatisch zu entscheiden, ob ein Antrag genehmigt, blockiert oder geprüft werden soll. Auch die Weiterleitung von Anfragen im Kundenservice oder die Einschätzung von Kredit- und Versicherungsrisiken gehören dazu.

Nach Ansicht von Gründer Diogo Almeida braucht es dafür kein extrem leistungsfähiges Sprachmodell. Genau darin liegt die Idee. Warum ein teures Modell wie ChatGPT oder Claude einsetzen, wenn die Antwort am Ende nur „ja“, „nein“ oder „prüfen“ lautet?

Bis zu hundertmal günstiger

Große Sprachmodelle benötigen viel Rechenleistung, weil sie vollständige Antworten erzeugen und teils lange Schlussfolgerungsketten durchlaufen. Jev wählt nach Angaben von TypeSafe dagegen schnell aus einer begrenzten Zahl möglicher Antworten aus.

Dadurch soll das Modell rund 4,2 Cent pro Million Token kosten, während bei einigen großen Sprachmodellen mehrere Dollar fällig werden. Das Unternehmen gibt zudem an, dank der niedrigen Rechenkosten bereits profitabel zu sein.

Das Interesse unter Entwicklern ist groß. Die Hostingplattform Vercel teilte mit, Jev habe in den ersten 24 Stunden mehr als doppelt so viel Interesse zahlender Entwickler geweckt wie jede frühere Modelleinführung auf der Plattform.

Gefahr für OpenAI und Anthropic?

Hier wird es interessant. OpenAI, Anthropic und andere große KI-Unternehmen investieren Milliarden, um ihre Modelle immer leistungsfähiger zu machen.

Doch möglicherweise muss nicht jede KI-Anwendung intelligenter werden. Für viele Geschäftsprozesse können Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und niedrige Kosten wichtiger sein.

Wenn Unternehmen einfache Aufgaben massenhaft auf spezialisierte Modelle verlagern, könnte das die Preise und Margen der großen KI-Labore unter Druck setzen.

Zudem würde es bedeuten, dass sich ein Teil des KI-Marktes gerade von einem einzigen riesigen Modell entfernt, das alles können soll.

Noch bleiben viele Zweifel

Dennoch steht TypeSafe noch am Anfang. Das Unternehmen hält geheim, wie Jev genau trainiert wurde. Kritiker verweisen darauf, dass vergleichbare Klassifizierungsmodelle unter anderem bei Meta, Google und Hugging Face seit Längerem existieren.

Die Frage ist daher, ob Jev tatsächlich ein technologischer Durchbruch ist. Der Erfolg macht jedoch etwas Wichtiges sichtbar: In der nächsten Phase des KI-Booms geht es womöglich nicht nur darum, wer das intelligenteste Modell baut.

Mindestens ebenso wichtig könnte werden, wer dieselbe Aufgabe zu einem Bruchteil der Kosten erledigen kann.

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