Die Rohstoffmärkte erleben erneut einen außergewöhnlichen Tag. Nicht Gold oder Silber, sondern Kupfer führte diesmal die Bewegung an. Das Industriemetall schoss am Donnerstag um etwa 6 Prozent in die Höhe und überschritt erstmals die Marke von 14.000 Dollar pro Tonne.
Gleichzeitig brechen Gold und Silber immer weitere Rekordniveaus, was das Bild bestätigt, dass Anleger vermehrt in greifbare Vermögenswerte investieren.
Flucht aus dem Dollar und geopolitische Unruhen
Die Rally passt in eine breitere Bewegung, die seit Wochen sichtbar ist. Zunehmende geopolitische Spannungen, Unsicherheit über die US-Politik und abnehmendes Vertrauen in den Dollar als sicheren Hafen veranlassen Anleger, nach Alternativen zur Sicherung ihrer Kaufkraft zu suchen.
Davon profitiert Gold schon länger und notiert mittlerweile bei rund 5.600 Dollar pro Feinunze. Silber stieg in Richtung 120 Dollar und gehört damit zu den am besten performenden Anlagen des Jahres.
Auffällig ist, dass sich Kupfer nun deutlich in diese Reihe einfügt. Traditionell gilt Kupfer als konjunkturabhängiger Rohstoff, stark verbunden mit Bau, Infrastruktur und Elektrifizierung. Der jüngste Preisanstieg wird jedoch nicht nur durch die physische Nachfrage angetrieben, sondern zunehmend durch Investoren und Spekulanten.
Anleger entdecken Kupfer für sich
Ein klares Zeichen dafür ist der starke Zufluss in Kupfer-ETFs. In den USA flossen in diesem Jahr bereits rund 1,2 Milliarden Dollar in solche Produkte, mehr als das Doppelte der gesamten Zuflüsse im Jahr 2025. Damit beginnt sich Kupfer als Anlagegut ähnlich wie Gold zu verhalten.
Analysten zufolge ist dies teilweise auf die extrem hohen Gold- und Silberpreise zurückzuführen. Investoren, die das Gefühl haben, bei Gold „zu spät” zu sein, schauen sich weiter im Metallspektrum um. Kupfer und Silber dienen dabei als Alternativen mit noch größerem Aufwärtspotenzial.
Momentum und Knappheit
Die aktuelle Bewegung weist auch Merkmale eines Momentum-Trades auf. Neue Unsicherheiten, von geopolitischen Bedrohungen bis hin zu Fragen über die Unabhängigkeit der US-Notenbank, sorgen für zusätzliche Kapitalströme in Richtung Rohstoffe. Das gilt nicht nur für Kupfer, Gold und Silber, sondern auch für andere Basismetalle wie Aluminium, Zink und Nickel, die ebenfalls gestiegen sind.
Dabei spielt auch die Aussicht auf strukturelle Engpässe eine Rolle. Für Kupfer erwarten viele Marktteilnehmer in den kommenden Jahren ein knapperes Angebot, unter anderem durch die Energiewende und zurückbleibende Investitionen in neue Minenkapazitäten. Große Produzenten berichteten kürzlich sogar von leicht rückläufiger Produktion, was die Sorgen über künftige Knappheit verstärkt.
Ein Vorbehalt gegenüber der Euphorie
Dennoch warnen Analysten vor übertriebenem Enthusiasmus. Die Geldströme in Richtung Metalle bedeuten nicht automatisch, dass die reale Nachfrage stark anzieht. Insbesondere aus China, dem weltweit größten Kupferverbraucher, kommen Signale einer Abkühlung der industriellen Aktivität. Die aktuellen Preisniveaus sind daher vor allem das Ergebnis der finanziellen Positionierung und der Stimmung.
Das macht den Markt anfällig. Solange Unsicherheit dominiert und das Vertrauen in traditionelle finanzielle Anker wackelt, bleiben Metalle attraktiv. Aber bei einer plötzlichen Beruhigung im geopolitischen oder monetären Umfeld könnte das Momentum ebenso schnell umschlagen.
Vorerst ist die Schlussfolgerung klar: In einer Welt voller Zweifel glänzen nicht nur Gold und Silber, sondern auch Kupfer steht unerwartet im Rampenlicht.
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