Das lang erwartete US-Kryptogesetz könnte erneut verzögert werden. Die Kryptobörse Coinbase verweigert ihre Unterstützung für die neueste Version des Clarity Act. Die Börse informierte den Senat zu Wochenbeginn, dass der Vorschlag untragbar sei. Der Konflikt dreht sich erneut um das heiße Thema: Renditen auf Stablecoins.

Coinbase zieht erneut die Notbremse

Punchbowl News hat gestern berichtet, dass Coinbase „erhebliche Bedenken“ bezüglich der neuesten Bestimmungen zur Stablecoin-Rendite geäußert hat. Das Medium beruft sich auf vier mit den Gesprächen vertraute Quellen.

Diese Bestimmungen entstanden aus einem Kompromissvorschlag der Senatoren Thom Tillis und Angela Alsobrooks. Der Plan soll Kryptobörsen verbieten, Belohnungen auf Stablecoin-Guthaben auszuschütten und die Möglichkeiten zur Berechnung dieser Belohnungen weiter einschränken.

Vergangene Woche wurde der konkrete Gesetzestext geleakt, der sich als deutlich strenger herausstellte als das Abkommen vermuten ließ. Die Aktie von Circle, dem Herausgeber des USDC, stürzte in kurzer Zeit um fast 20 Prozent ab, und auch Coinbase verlor über 9 Prozent. Nun zeigt sich, dass Coinbase sich auch offiziell gegen diese überarbeitete Version stellt.

Renditen auf Stablecoins sind vergleichbar mit Zinsen auf einem Sparkonto. Nutzer erhalten eine kleine Vergütung für das Halten digitaler Dollar wie USDC und USDT. Für Coinbase ist das ein bedeutender Faktor: 2025 generierte das Unternehmen bereits 1,35 Milliarden Dollar an Stablecoin-Einnahmen, größtenteils durch die Zusammenarbeit mit Circle, dem USDC-Herausgeber.

Langer Vorlauf voller Konflikte

Der Clarity Act wurde im Juli letzten Jahres vom Repräsentantenhaus verabschiedet. Anschließend war der Senat an der Reihe. Der Bankenausschuss bereitete eine erste Anhörung im Januar vor, die jedoch in letzter Minute abgesagt wurde.

Der vollständige Name ist Digital Asset Market Clarity Act. Das Gesetz regelt, welche Kryptowährungen als Wertpapiere und welche als Rohstoffe gelten, und teilt die Aufsicht zwischen der Securities and Exchange Commission (SEC) sowie der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) auf. Es ist das erste US-amerikanische Gesetz, das versucht, einen umfassenden regulatorischen Rahmen für den Kryptosektor zu schaffen.

Als größte Kryptobörse der Vereinigten Staaten hat das Unternehmen enormen Einfluss auf den Gesetzgebungsprozess. Die Unterstützung großer Marktteilnehmer wird in Washington als entscheidend für die Akzeptanz von Kryptogesetzen erachtet. Und genau diese Unterstützung zog Coinbase im Januar zurück. CEO Brian Armstrong erklärte damals, Banken würden lobbyieren, um Konkurrenz aus dem Kryptobereich zu unterdrücken.

Das war der Auslöser für einen monatelangen Streit. Banken fürchten, dass Renditen auf Stablecoins eine Kapitalflucht aus dem traditionellen System verursachen könnten, was die Kreditvergabe unter Druck setzt. Die Kryptobranche sieht hingegen Chancen für Kunden und Institutionen.

Das Weiße Haus unternahm mehrere Versuche, die Lage mit vertraulichen Treffen zu entspannen. Im Februar kamen beide Lager zusammen, doch die Bankenlobby zeigte sich nicht verhandlungsbereit. Stattdessen legten sie eine Liste mit weiteren Einschränkungen vor. Die Kluft blieb bestehen.

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