Der niederländische Ökonom Klaas Knot wird von einer Mehrheit der europäischen Ökonomen als wahrscheinlichster Nachfolger von Christine Lagarde an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) angesehen. Dies geht aus einer neuen Umfrage von Bloomberg hervor. Bemerkenswerterweise halten dieselben Experten andere Kandidaten für besser qualifiziert.
Knot führt Kandidatenliste an
Klaas Knot, bis letztes Jahr Präsident der De Nederlandsche Bank, steht an der Spitze der potenziellen Nachfolger von Christine Lagarde. Ihm folgen Pablo Hernández de Cos, der aktuelle Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, und Joachim Nagel von der Deutschen Bundesbank.
Interessanterweise wird das EZB-Vorstandsmitglied Isabel Schnabel von Ökonomen als die kompetenteste Kandidatin angesehen. Die ehemalige Professorin und Regierungsberaterin aus Deutschland glänzt durch umfassendes Fachwissen und genießt breite Anerkennung innerhalb der Zentralbank. Ihre Ernennung ist jedoch unsicher, da EZB-Vorstandsmitglieder gemäß den Regeln keine zweite Amtszeit antreten dürfen. Derzeit gibt es keine juristische Möglichkeit, dies zu umgehen.
Politisches Ränkespiel im EZB-Vorstand
Die Ernennung von Boris Vujcic aus Kroatien zum neuen Vizepräsidenten der EZB verändert die Machtverhältnisse im Vorstand. Da er aus Osteuropa stammt, bleibt der Vorsitz für einen Kandidaten aus Nord- oder Südeuropa offen. Die geografische Verteilung spielt nämlich eine entscheidende Rolle bei der Besetzung der Spitzenpositionen innerhalb der EZB.
Aus der Bloomberg-Umfrage geht hervor, dass Ökonomen besonders Wert auf eine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung und Berufserfahrung bei einer Zentralbank legen. Auch Erfahrung bei europäischen Institutionen oder in der Finanzwelt wird als wichtig erachtet. Ob ein Kandidat männlich oder weiblich ist, spielt ihrer Meinung nach eine untergeordnete Rolle.
Knot, der diplomatische Falke?
Klaas Knot galt jahrelang als Falke innerhalb der EZB, entwickelte sich jedoch im Laufe der Zeit zu einer Schlüsselfigur, die Kompromisse zu schmieden weiß. Auch als Vorsitzender des Financial Stability Board erwies er sich als effektiver Vermittler in Krisenzeiten. „Er hat das intellektuelle Vermögen, die Ausdauer und die Fähigkeit, Menschen zu überzeugen“, sagte Lagarde einst über ihn.
Pablo de Cos wird hingegen für seine Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit gelobt. Sowohl Knot als auch De Cos werden als politisch realisierbare Kandidaten angesehen, haben jedoch noch keine offizielle Unterstützung von ihren Regierungen erhalten.
Entscheidung möglicherweise erst 2027
Obwohl Lagares Amtszeit 2027 endet, erwarten Analysten, dass die Diskussion um die Nachfolge bereits in diesem Jahr an Fahrt gewinnen wird. Laut der Bloomberg-Umfrage vermutet fast die Hälfte der Befragten, dass die Ernennung Teil eines größeren Pakets sein wird, in dem auch die Nachfolger von Chefökonom Philip Lane und Isabel Schnabel erörtert werden.
Trotz der prominenten Namen schließen Ökonomen nicht aus, dass doch noch ein Überraschungskandidat auftaucht. Auch Christine Lagarde wurde seinerzeit erst spät ins Spiel gebracht.
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