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Der Ausverkauf bei Chipwerten setzt sich heute fort. Damit steht der Markt an einem wichtigen Scheideweg.
Handelt es sich um eine normale Neupositionierung nach extremen Kursanstiegen? Oder gewinnt der makroökonomische Hintergrund an Gewicht, vor allem wegen des steigenden Ölpreises und der wieder zunehmenden Zinssorgen?

Ich neige klar zur ersten Erklärung. Einzelne KI-Aktien und ETFs erreichen allmählich wieder interessantere Niveaus für langfristige Anleger. Das heißt aber nicht, dass sich der Markt nun ohne Weiteres erholen kann.
Der KI-Komplex muss zunächst drei Probleme überwinden.
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Das erste Problem ist der Ölpreis. Seit dem Wiederaufflammen des Iran-Kriegs notiert Brent weiter bei rund 85 Dollar je Barrel.
Damit geht der Markt vorerst davon aus, dass der Konflikt beherrschbar bleibt. Das ist möglich, aber keineswegs sicher. Eskaliert die Lage erneut, wäre ein Ölpreis von mehr als 100 Dollar je Barrel binnen weniger Wochen nicht ausgeschlossen.
Das zweite Problem ist die US-Notenbank. Die Federal Reserve scheint die Inflation wieder ernster zu nehmen und kann es sich angesichts der geopolitischen Lage nicht leisten, Entwarnung zu signalisieren.
Auch wenn ich bezweifle, dass es tatsächlich zu Zinserhöhungen kommt, bleibt den Währungshütern derzeit kaum etwas anderes übrig, als vorsichtig zu bleiben. Die Inflation ist weiterhin zu hoch, und höhere Ölpreise können erneut auf den Rest der Wirtschaft durchschlagen.
Das dritte Problem ist für den KI-Sektor selbst womöglich das wichtigste. Anleger fragen immer nachdrücklicher, ob die enormen Investitionen in KI-Infrastruktur bei höheren Zinsen ausreichend Rendite abwerfen.
Der Aktienmarkt ist teuer. Das Gewinnwachstum muss also hoch bleiben.
Die Zahlen von TSMC sorgten für etwas Erleichterung. Die Nachfrage im KI-Komplex bleibt klar intakt. Großkunden investieren weiter, und der zugrunde liegende Zyklus ist nicht plötzlich eingebrochen.

Dennoch reichte das diesmal nicht, um die gesamte Branche zu beruhigen. Anleger wollen inzwischen mehr als nur den Nachweis, dass Technologiekonzerne weiterhin Hunderte Milliarden Dollar für Chips, Rechenzentren und Infrastruktur ausgeben.
Sie wollen auch Belege dafür, dass dem ausreichende Gewinne gegenüberstehen. Das ist die neue Phase des KI-Bullenmarkts.
2023, 2024 und 2025 reichte es, ein Engagement in KI vorzuweisen. Jetzt muss sichtbar werden, wer diese Investitionen in hohe Margen, starke Cashflows und eine dauerhaft attraktive Kapitalrendite verwandeln kann.
Hinzu kommt ein ungünstiges makroökonomisches Umfeld.
Der Ölpreis bleibt hoch. Die Fed gibt sich abwartend, klingt aber eher restriktiv als locker. Selbst innerhalb der Europäischen Zentralbank wird bereits wieder über eine mögliche Zinserhöhung im September spekuliert.
Alles hängt nun von der Inflation ab. Bleiben höhere Energiepreise auf Öl beschränkt, kann der Markt das verarbeiten. Sickert der Preisdruck jedoch in Transport, Waren, Löhne und Inflationserwartungen durch, ist das Zinsthema schnell wieder da.
Deshalb sehe ich kurzfristig noch keinen klaren Ausweg für den Aktienmarkt. Theoretisch ist weiterer Abwärtsdruck möglich, besonders bei den Aktien, die zuvor am stärksten zugelegt hatten.
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