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Europäische Aufseher und Notenbanker schlagen wegen künstlicher Intelligenz Alarm. Der Aufstieg sogenannter agentischer KI, also von Systemen, die eigenständig Entscheidungen treffen und handeln, verläuft so schnell, dass die Regulierung kaum Schritt hält. Einige politische Entscheidungsträger plädieren sogar für eine Notbremse, die den gesamten Börsenhandel stoppen könnte.

Notbremse gegen einen KI-Crash

Sarah Breeden, stellvertretende Gouverneurin der Bank of England, warnt, dass agentische KI die Volatilität in angespannten Marktphasen deutlich verstärken könnte.

Breeden stellte die Frage, ob Schutzmechanismen nötig seien, „vergleichbar mit Circuit Breakers oder Kill Switches, die den Handel marktweit einschränken oder aussetzen würden, wenn fehlerhafte KI-Modelle einen Marktcrash auslösen“.

Gemeint sind Instrumente, die den Handel am gesamten Markt bremsen oder vollständig zum Stillstand bringen. Ihre Äußerungen machte sie am Dienstag auf der jährlichen Konferenz der Europäischen Zentralbank im portugiesischen Sintra.

Regulierung hinkt hoffnungslos hinterher

Der klassische Regulierungsprozess funktioniert im KI-Zeitalter nicht mehr. Das sagte Nikhil Rathi, Chef der britischen Finanzaufsicht FCA, am Donnerstag gegenüber CNBC.

„Die Realität ist, dass sich einige dieser Technologien inzwischen in Wochen oder Monaten weiterentwickeln. Der traditionelle Regulierungszyklus ist dafür schlicht nicht gemacht. Wir müssen deshalb über neue Instrumente und eine andere, stärker kooperative Zusammenarbeit mit dem Markt nachdenken“, sagte Rathi.

Auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde zeigt sich besorgt. In einem Interview mit der französischen Zeitung Les Echos nannte sie KI ein „großes Risiko“.

„Über Cyberrisiken, Hackerangriffe, Datendiebstahl und Ähnliches sprechen wir seit rund zehn Jahren“, sagte Lagarde. „Mit der Beschleunigung und Vertiefung von KI-Modellen stehen wir jedoch vor einem deutlich ernsteren Risiko. Die Entwicklung verläuft extrem schnell, während die Abwehrmechanismen und deren Finanzierung erst noch aufgebaut werden müssen.“

Zuvor hatten Europas Zentralbanker mit nahezu denselben Formulierungen gegen Kryptowährungen ausgeteilt, die das traditionelle System destabilisieren könnten.

Angst vor einer KI-Blase

Neben dem täglichen Handel steht ein größeres Risiko im Raum: ein klassischer Boom-Bust-Zyklus. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Bank der Zentralbanken, warnte am 28. Juni, dass die „Euphorie“ rund um KI erhebliche Folgen haben könne.

Wenn Zentralbanken die Zinsen anheben, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen, könnte dies einen „abrupten Rückgang der Preise KI-bezogener Vermögenswerte nach einer längeren Phase ausgeprägter Risikobereitschaft“ auslösen. Nach Einschätzung der BIZ könnte das zu „destabilisierenden makrofinanziellen Rückkopplungseffekten“ führen.

Breeden verwies darauf, dass die Fremdfinanzierung rasch zunimmt. Tobias Adrian vom IWF sieht darin ein weiteres Risiko. Er warnt vor einer „potenziellen Fristeninkongruenz zwischen der Laufzeit physischer Vermögenswerte und der Laufzeit der Schulden“.

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