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Auf den ersten Blick wirkt der Juni für die Wall Street wie ein ausgesprochen schwacher Monat. Die Magnificent Seven verzeichneten mit einem Minus von fast 13 Prozent ihren bislang schlechtesten Monat. Auch der Chipindex SOX geriet deutlich unter Druck und verlor in der vergangenen Woche knapp 7 Prozent, während der Nasdaq 100 fast 5 Prozent abgab.

Das sind deutliche Bewegungen. Zumal gerade diese Aktien in den vergangenen Monaten einen großen Teil der Börsenrally getragen hatten. Die KI-Profiteure, Chipriesen und Megacap-Technologiewerte zogen den Markt nach oben.

Keine breite Panik an der Wall Street

Wer nur auf Nvidia, Apple, Microsoft, Meta oder andere große Technologiewerte blickt, sieht vor allem Verkaufsdruck. Unter der Oberfläche zeigt sich die Wall Street jedoch erstaunlich robust.

Der S&P 493, also der S&P 500 ohne die größten Technologiekonzerne, legte im vergangenen Monat um gut 2 Prozent zu. Auch der Russell 2000 und der gleichgewichtete S&P 500 erreichten in der vergangenen Woche neue Rekordstände.

Bei einer echten Flucht aus Risikoanlagen wären gerade Small Caps, zyklische Aktien und der breite Markt stark unter Druck geraten. Anleger würden dann im großen Stil Risiken abbauen und in Cash, Anleihen oder defensive Sektoren ausweichen.

Genau das geschieht derzeit aber nicht. Stattdessen scheint Kapital aus den überlaufenen KI-Positionen in andere Marktsegmente umzuschichten.

Rotation aus KI-Werten

Die großen KI-Gewinner korrigieren. Die Technologieriesen korrigieren. Wachstumsaktien korrigieren. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass der Bullenmarkt vorbei ist.

Nach den starken Kursanstiegen der vergangenen Monate ist eine Korrektur in diesem Marktsegment nicht ungewöhnlich. Viele KI-Aktien waren extrem stark gelaufen. Entsprechend gering war der Spielraum für Enttäuschungen, zumal Anleger Bewertungen und die enormen Investitionen in KI-Infrastruktur inzwischen kritischer betrachten.

Fed bleibt der entscheidende Faktor

Der Zeitpunkt dieser Rotation dürfte kein Zufall sein. Die US-Notenbank klang bei ihrer jüngsten Zinsentscheidung strenger, als Anleger erwartet hatten. Dadurch begann der Markt erneut, Zinserhöhungen einzupreisen.

Das trifft vor allem Wachstumsaktien und Technologiekonzerne. Höhere Zinsen belasten Aktien stärker, bei denen ein großer Teil der erwarteten Gewinne weit in der Zukunft liegt. Das erklärt, warum KI- und Technologiewerte derzeit stärker unter Druck geraten als der übrige Markt.

Ob die Federal Reserve tatsächlich so weit geht, ist allerdings offen. Sollten der Ölpreis weiter fallen, der Inflationsdruck nachlassen und die Wirtschaft Anzeichen einer Abschwächung zeigen, könnte die Notenbank am Ende vorsichtiger agieren, als der Markt derzeit befürchtet.

Bullenmarkt noch nicht gebrochen

Deshalb wirkt es verfrüht, das Ende des Bullenmarkts auszurufen. Die großen Indizes stehen wegen der Rückgänge bei den größten Technologiekonzernen unter Druck, doch die innere Marktstruktur sieht stärker aus, als es die Schlagzeilen vermuten lassen.

Small Caps halten sich. Der gleichgewichtete S&P 500 bricht nach oben aus. Der S&P 493 steigt. Das sind keine Signale eines Marktes, der vollständig auseinanderfällt. Der Markt sucht vor allem nach neuen Führungstiteln.

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