Seit Jahrhunderten gilt Gold als das ultimative sichere Gut. In Krisenzeiten flüchten Investoren massenhaft in das Edelmetall. Doch in unserer schnell digitalisierenden Welt ist ein neuer Herausforderer aufgetaucht: Bitcoin (BTC). Immer häufiger stellt sich die Frage, ob diese digitale Währung das klassische Edelmetall jemals überholen könnte. Wie realistisch ist dieses Szenario eigentlich?
Bitcoin als digitales knappes Gut
Bitcoin wurde 2009 von Satoshi Nakamoto als ein peer-to-peer Zahlungssystem eingeführt, das Transaktionen ohne Banken ermöglichen sollte. In der Praxis entwickelte sich BTC jedoch vor allem zu einer Form der Wertaufbewahrung.
Was BTC besonders macht, ist seine einzigartige Eigenschaft als erste erfolgreiche Form digitaler Knappheit. Es wird niemals mehr als 21 Millionen Münzen geben. Kombiniert mit globaler Zugänglichkeit und einem Mangel an zentraler Kontrolle ergibt sich ein digitales Vermögen mit Eigenschaften, die Goldliebhaber seit Jahrhunderten schätzen. Dazu zählen Knappheit, Inflationsschutz und, bei guter Verwaltung, Sicherheit.
Dennoch ist der Unterschied in der Marktgröße enorm. Der Gesamtwert allen Goldes auf der Erde wird auf etwa 30,5 Billionen Dollar geschätzt. Bitcoin erreicht mit etwa 1,77 Billionen Dollar bei weitem noch nicht diesen Wert.
Gold überrascht mit starkem Jahr
Gold ist bekannt für seine Stabilität und stetiges Wachstum. Doch in diesem Jahr zeigte das Edelmetall eine bemerkenswerte Stärke. Ende Dezember erreichte der Goldpreis einen Rekord von 4.546 Dollar pro Unze, etwa 31 Gramm. Seit Jahresbeginn bedeutet dies einen Anstieg von über 66 Prozent.
Im Gegensatz dazu scheint Bitcoin das Jahr mit Verlusten abzuschließen. Obwohl es im Oktober ein neues Allzeithoch von über 126.000 Dollar erreichte, folgte daraufhin eine beträchtliche Korrektur.
Der Anstieg des Goldpreises ist größtenteils auf Zentralbanken zurückzuführen, die weltweit große Mengen an Gold kaufen. Polen beispielsweise fügte in diesem Jahr über 83 Tonnen zu seinen Reserven hinzu.
Auch China kauft riesige Mengen Gold, möglicherweise bis zu 254 Tonnen bis 2025. Die genaue Menge ist unbekannt, da vermutet wird, dass ein großer Teil der Käufe nicht in den offiziellen Statistiken erfasst wird.
Kann Bitcoin Gold noch überholen?
Das Potenzial ist vorhanden. Bitcoin teilt viele Eigenschaften mit Gold, bietet jedoch moderne Vorteile. Es ist digital, weltweit direkt handelbar, leicht zu versenden und einfach über die Blockchain zu kontrollieren. In vielerlei Hinsicht ist es praktischer als physisches Gold.
Aufgrund dieser „besseren“ Eigenschaften glauben viele Experten, dass Bitcoin seine physische Entsprechung letztendlich übertreffen könnte. Angenommen, die digitale Währung würde einmal so viel wert sein wie das gesamte Gold weltweit. Dann müsste der Bitcoin-Kurs auf etwa 1,55 Millionen Dollar pro Münze steigen, eine Zunahme von über 1.600 Prozent.
Dennoch gibt es auch kritische Anmerkungen. Gold hat über Jahrtausende Vertrauen aufgebaut. Es besitzt einen greifbaren Wert, funktioniert ohne Technologie und wird weltweit breit akzeptiert. Bitcoin muss dieses Vertrauen noch weiter aufbauen.
Analysten warnen zudem vor einer möglichen strukturellen Verschiebung im Marktverhalten. Derzeit hat sich das Verhältnis zwischen Bitcoin und Gold deutlich verschlechtert, vor allem durch die starken Leistungen des Edelmetalls. Immer mehr Investoren scheinen Gold nun als bevorzugtes Mittel zur Wertaufbewahrung zu wählen, auf Kosten von Bitcoin.
Ob Bitcoin Gold jemals überholen wird, hängt zudem von mehreren Faktoren ab. Institutionelle Akzeptanz und klare Regulierung spielen dabei eine Schlüsselrolle. In beiden Bereichen werden mittlerweile erhebliche Fortschritte erzielt.
Die US-Regierung startete im März die nationale Strategic Bitcoin Reserve. Obwohl diese selbst keine Bitcoin kauft, werden große Mengen beschlagnahmter BTC dort untergebracht. Derzeit enthält die Reserve 328.372 Bitcoin.
Auch Unternehmen setzen vermehrt auf Bitcoin. Laut Daten von BitcoinTreasuries besitzen derzeit 191 Unternehmen zusammen mehr als 1,087 Millionen BTC. Dies entspricht etwa 5,46 Prozent des gesamten umlaufenden Angebots.
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