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Die jüngsten Bitcoin-Verkäufe von Strategy haben den Kryptomarkt spürbar verunsichert. Einige Marktteilnehmer fürchten eine Abwärtsspirale, in der Michael Saylors Unternehmen immer mehr Coins abstoßen muss, um finanziell handlungsfähig zu bleiben. JPMorgan sieht die größere Gefahr jedoch an anderer Stelle.
Strategy gibt Aktien aus, um Bitcoin (BTC) zu kaufen, zahlt auf einen Teil davon aber Dividenden. Um diese Ausschüttungen zu finanzieren, verkaufte das Unternehmen Anfang Juli Tausende Coins für mehr als 200 Millionen Dollar.
Das Verkaufsprogramm erlaubt noch zusätzliche Verkäufe im Volumen von 1 Milliarde Dollar. Einige Investoren fürchten jedoch einen Teufelskreis, in dem Bitcoin-Verkäufe das Vertrauen belasten und das Unternehmen dadurch zu weiteren Verkäufen gezwungen werden könnte.
Die US-Großbank JPMorgan hält das vor allem für ein kurzfristiges Problem.
„Wir sehen Strategy nicht als größte strukturelle Gefahr für Bitcoin“, schreiben die Analysten um Nikolaos Panigirtzoglou, Managing Director bei JPMorgan.
Die eigentliche Gefahr liegt aus ihrer Sicht in einer Blockchain-Nutzung, die an öffentlichen Netzwerken vorbeiläuft. Banken und Institutionen setzen zunehmend auf geschlossene Blockchains, zu denen nur zugelassene Teilnehmer Zugang haben.
Diese Netzwerke bieten mehr Datenschutz, Kontrolle und Rechtssicherheit. Genau das wird nach Einschätzung der Bank zu einem unmittelbaren Problem für öffentliche Blockchains.
„Dadurch entsteht eine Wettbewerbsgefahr für öffentliche Blockchains“, so die Analysten.
Bei öffentlichen Blockchains wie Bitcoin, Ethereum (ETH) und Solana (SOL) kann jeder teilnehmen und die Vorgänge überprüfen. Diese Offenheit macht sie transparent und schwer zensierbar, weil keine einzelne Partei allein die Kontrolle hat.
Verlagern sich Zahlungen und Abwicklung in geschlossene Netzwerke, droht laut JPMorgan eine „strukturelle Abwertung“ der gesamten Kryptobranche. Gemeint sind dünnere Liquidität, schwächere Kapitalströme und weniger On-Chain-Aktivität. Am Ende würde das auch Bitcoin treffen.
Besonders tokenisierte Einlagen stechen dabei hervor. Das sind digitale Varianten von Bankguthaben, abgesichert durch bestehende Bankenregeln und die Einlagensicherung. Setzen sie sich durch, brauchen Institutionen Stablecoins kaum noch.
Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnte bereits vor öffentlichen Netzwerken für kritische Finanzinfrastruktur. Sie plädiert stattdessen für regulierte Register innerhalb des Aufsichtsrahmens.
Der Markt für tokenisierte Vermögenswerte ist mit rund 50 Milliarden Dollar noch klein und läuft vor allem über Ethereum. JPMorgan wertet das als frühe Experimente. Akteure wie DTCC und Securitize verlagern solche Aktivitäten bereits in geschlossene Infrastrukturen.
JPMorgan betreibt selbst seit einiger Zeit einen Einlagen-Token namens JPMD, und im vergangenen Monat wurde bekannt, dass die Bank gemeinsam mit Citigroup, Bank of America und Wells Fargo an einem eigenen Netzwerk für tokenisierte Einlagen arbeitet.
Die Analysten nennen selbst drei mögliche Gegenentwicklungen. Im ersten Szenario bleiben beide Arten von Blockchains wichtig: ein hybrides Modell, in dem öffentliche und geschlossene Netzwerke nebeneinander bestehen. Im zweiten setzen sich Stablecoins stärker durch, begünstigt durch eine lockere Regulierung.
Im dritten Szenario behält Bitcoin schlicht seine Rolle als „digitales Gold“. Damit bleibt der Coin ein Schutz gegen Geldentwertung, unabhängig davon, was im übrigen Kryptosektor geschieht.
Auch der Clarity Act bietet keine Garantie. Das US-Kryptogesetz, das noch in diesem Jahr verabschiedet werden könnte, soll mehr Klarheit für digitale Vermögenswerte schaffen.
Nach Einschätzung von JPMorgan könnte es jedoch das Gegenteil bewirken. Das Gesetz könnte von Banken ausgegebene Einlagen-Token zusätzlich fördern, was die Position der Banken stärkt und die von öffentlichen Stablecoins schwächt.
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