Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht in der Tokenisierung eine Technologie, die den Finanzsektor effizienter machen könnte, warnt jedoch gleichzeitig vor neuen Risiken. In einem aktuellen Bericht erklärt das Fonds, dass der Nettoeffekt auf die finanzielle Stabilität ungewiss bleibt. Geschwindigkeit und Automatisierung lösen alte Probleme, schaffen aber neue.
Was bedeutet Tokenisierung?
Tokenisierung ist der Prozess, bei dem ein Finanzprodukt wie Aktien, Anleihen oder Gold in digitale Token auf einer Blockchain umgewandelt wird. Diese Tokens repräsentieren Eigentum und können ohne Zwischenhändler wie Banken gehandelt werden. Das macht Transaktionen schneller, günstiger und transparenter.
Der Markt wächst schnell. Laut Daten von RWA.xyz sind mittlerweile mehr als 27,6 Milliarden Dollar an Vermögenswerten, exklusive Stablecoins, auf die Blockchain gebracht worden. Die Prognosen für die Zukunft variieren: Boston Consulting Group erwartet einen Markt von 16 Billionen Dollar im Jahr 2030, während McKinsey von etwa 2 Billionen Dollar ausgeht.
Chancen laut IWF
Der IWF erkennt an, dass Tokenisierung konkrete Vorteile bietet. Die sogenannte atomare Abwicklung ermöglicht die direkte und unwiderrufliche Durchführung von Transaktionen, ohne die Verzögerungen, die im traditionellen System üblich sind. Die Transparenz verbessert sich, da alle Transaktionen auf der Blockchain sichtbar sind.
Für Schwellenländer sieht das Fonds zusätzliche Chancen. Schnellere grenzüberschreitende Zahlungen und verbesserte finanzielle Inklusion könnten Millionen von Menschen Zugang zu finanziellen Dienstleistungen verschaffen, die derzeit außer Reichweite liegen.
Aber auch neue Risiken
Gleichzeitig warnt der IWF, dass sich die Risiken verlagern. Im traditionellen System liegen Risiken bei bekannten Institutionen wie Banken und Clearingstellen. Bei der Tokenisierung verlagern sich diese Risiken auf Technologien: geteilte Hauptbücher und Smart Contracts.
Der IWF stellt fest, dass sich Stresssituationen in tokenisierten Märkten wahrscheinlich schneller entwickeln als in traditionellen Systemen. Das bedeutet weniger Zeit für Aufsichtsbehörden, um einzugreifen. Für Schwellenländer kommt noch das Risiko volatiler Kapitalströme und mögliche Beeinträchtigung der monetären Souveränität hinzu.
Traditionelle Finanzwelt steigt ein
Die Tokenisierung ist möglicherweise die erste echte große Schnittstelle zwischen der Krypto- und der traditionellen Finanzwelt. Selbst die Intercontinental Exchange, Muttergesellschaft der New York Stock Exchange, arbeitet an einer Plattform für den dauerhaften Handel und die direkte Abwicklung von Aktien und ETFs über die Blockchain.
Coinbase Asset Management hat kürzlich tokenisierte Aktien auf dem Base-Netzwerk, einer Layer-2-Lösung auf Ethereum (ETH), eingeführt. In Zusammenarbeit mit der Apex Group wird dabei der ERC-3643-Standard genutzt, um den Vorschriften zu Identität und Eignung von Investoren zu entsprechen.
Rechtliche Klarheit als Engpass
Die größte Herausforderung bleibt rechtlicher Natur. Ohne klare Regeln zu Eigentumsrechten und Abwicklung droht eine Fragmentierung des Marktes. Jedes Land hat eigene Regeln, und solange es keine internationalen Standards gibt, bleibt das Wachstum der Tokenisierung auf kontrollierte Experimente beschränkt.
Der IWF-Bericht unterstreicht, dass Tokenisierung aus der Finanzwelt nicht mehr wegzudenken ist. Die Technologie bietet reale Vorteile, aber die Risiken sind neu und noch unzureichend verstanden. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, ob die Aufsichtsbehörden schnell genug reagieren können.
auf Ethereum. In Zusammenarbeit mit der Apex Group wird dieser Standard genutzt, um den Vorschriften zu Identität und Eignung von Investoren gerecht zu werden.
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