Das Interesse an Quantencomputern wächst rasant – und damit auch die Frage, was diese Technologie für bekannte Kryptowährungen wie Bitcoin (BTC) bedeuten könnte. Manche Anleger warnen vor einem Kipppunkt, der näher rückt, als viele glauben. Doch stimmt das wirklich?
Bitcoin kann laut Back rechtzeitig umstellen
Neue Dynamik bekam die Debatte, als Unternehmer Chamath Palihapitiya kürzlich erklärte, dass Quantencomputer in wenigen Jahren ein Risiko für Bitcoin darstellen könnten. Er wies darauf hin, dass etwa achttausend Qubits nötig seien, um den Sicherheitsalgorithmus SHA 256 zu brechen. Ein Qubit ist die kleinste Informationseinheit in einem Quantencomputer und kann – anders als ein klassisches Bit – mehrere Zustände gleichzeitig annehmen. Dadurch kann ein solcher Rechner bestimmte Berechnungen extrem schnell ausführen.
Auf Palihapitiyas Aussagen reagierte der Kryptograf Adam Back auf X. Back wird im Bitcoin-Whitepaper erwähnt und verfolgt die technische Entwicklung seit Jahren aus nächster Nähe. Seiner Ansicht nach liegt das Risiko noch weit in der Zukunft.
Back zufolge muss Bitcoin „wahrscheinlich noch zwanzig bis vierzig Jahre“ keine reale Quantenbedrohung fürchten. Er verweist darauf, dass es bereits Post-Quantum-Standards gibt, die vom National Institute of Standards and Technology zugelassen sind. Diese lassen sich in Zukunft zu Bitcoin hinzufügen – lange bevor ein Quantencomputer stark genug ist, die aktuelle Sicherheit zu brechen.
Warum heutige Quantencomputer noch nicht reichen
Back zufolge könnten die alten Bitcoin-Adressen von Satoshi Nakamoto mittelfristig angreifbar werden, sobald Quantencomputer genügend Rechenleistung erreichen. Diese Adressen basieren auf einer älteren Form der Kryptografie. Sollte die Bedrohung einmal real werden, müsste Satoshi seine Coins bewegen, um zu verhindern, dass andere Zugriff bekommen. Back merkte an, dass dies zudem zeigen könnte, ob Satoshi noch existiert, da ausschließlich er die Kontrolle über diese Coins hat.
Nach Einschätzung von Forschern ist dieses Risiko vorerst nicht gegeben. Die leistungsstärksten Quantencomputer der Gegenwart, darunter ein System des Caltech mit 6100 physischen Qubits, sind noch zu instabil, um komplexe Sicherheitsmechanismen anzugreifen. Wichtig ist dabei der Unterschied zwischen physischen und logischen Qubits. Logische Qubits sind fehlerkorrigierte Qubits, die für große, präzise Berechnungen benötigt werden. Doch Maschinen verfügen derzeit nur über eine Handvoll davon. Quantinuum kommt auf 48. Das ist viel zu wenig, um die Kryptografie von Bitcoin oder anderen geschützten Systemen zu brechen.
Back sieht keinen Grund zur Panik
Es gibt allerdings ein Risiko, das schon heute relevant ist. Bei sogenannten „Harvest now, decrypt later“-Angriffen werden Daten abgefangen und über Jahre gespeichert – in der Hoffnung, sie später mit stärkeren Rechnern doch noch entschlüsseln zu können. Für Bitcoin ist das kein unmittelbares Problem, solange das Netzwerk rechtzeitig auf eine Absicherung umstellt, die Quantencomputern standhält.
Die größere Frage bleibt jedoch, wie schnell die Entwicklung tatsächlich voranschreitet und ob große Tech-Konzerne den Durchbruch beschleunigen können. Über diesen Punkt sind Experten uneins, doch laut Back gibt es vorerst keinen Grund zur Beunruhigung.
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