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Iran hat die Straße von Hormus „bis auf Weiteres“ geschlossen. Zugleich flogen die Vereinigten Staaten am Wochenende bereits zum dritten Mal in dieser Woche Luftangriffe auf iranische Ziele.
Nach Angaben der iranischen Revolutionsgarde darf kein Schiff die strategisch wichtige Meerenge passieren, solange die „ausländische Einmischung“ andauert. Damit droht die wichtigste Energieroute der Welt zum Erliegen zu kommen: Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Gases wird durch die Straße von Hormus transportiert.
Die neuen US-Angriffe folgten auf einen Vorfall, bei dem iranische Streitkräfte nach Angaben des US-Militärs ein Containerschiff unter zyprischer Flagge angegriffen hatten. Die M/V GFS Galaxy wurde dabei schwer beschädigt, ein ziviles Besatzungsmitglied gilt als vermisst. Das Schiff konnte seine Fahrt nicht fortsetzen.
Auf Anweisung von Präsident Donald Trump griffen die Vereinigten Staaten erneut iranische Ziele an der Südküste des Landes an. Nach Angaben des US-Zentralkommandos richteten sich die Angriffe gegen militärische Anlagen, die Iran zur Bedrohung der internationalen Schifffahrt nutzt.
Iranische Staatsmedien berichteten von Explosionen in mehreren Küstenstädten, darunter in den Energie- und Petrochemiezentren Buschehr und Assaluyeh. Auch aus den Hafenstädten Bandar Abbas und Bandar-e Dayyer wurden Explosionen gemeldet. Verteidigungsminister Pete Hegseth schrieb in sozialen Medien sinngemäß, Iran habe eine falsche Entscheidung getroffen und zahle nun den Preis.
Wenige Stunden später reagierte Iran mit Angriffen auf US-Militärziele in der Region. Die Revolutionsgarde erklärte, ballistische Raketen auf den Luftwaffenstützpunkt Prince Hassan in Jordanien sowie auf die US-Luftwaffenbasis Al Udeid in Katar abgefeuert zu haben.
Zudem reklamierte das iranische Militär Drohnenangriffe auf US-Einrichtungen in Kuwait und Bahrain für sich. Iranische Staatsmedien meldeten außerdem Angriffe auf logistische Einrichtungen der US-Marine im omanischen Hafen Duqm.
Katar teilte mit, die abgefeuerten Raketen abgefangen zu haben. Auch in Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde Luftalarm ausgelöst.
Die iranischen Angaben sind bislang nicht unabhängig bestätigt. Allerdings deutet vieles darauf hin, dass sich der Konflikt auf nahezu alle Staaten rund um den Persischen Golf ausweitet, in denen US-Truppen stationiert sind.
Dass die iranische Blockade mehr ist als eine politische Drohung, zeigte sich bereits am Wochenende. Nach Angaben iranischer Staatsmedien gab die Revolutionsgarde am Samstag einen Warnschuss auf ein Frachtschiff ab, das trotz des Verbots versucht hatte, die Straße von Hormus zu passieren. Einen Tag später soll auch ein zweites Schiff gestoppt worden sein.
Auch die Schifffahrtsdaten deuten darauf hin, dass die Route weitgehend zum Stillstand gekommen ist. Am Sonntag war in der Meerenge kaum noch Verkehr zu erkennen. Nur zwei Produkttanker näherten sich der Passage. Zudem wurde auf omanischer Seite ein leerer Supertanker registriert, vermutlich nachdem das Schiff die Durchfahrt mit ausgeschalteten Transpondern absolviert hatte, um nicht verfolgt zu werden.
Auch wenn die diplomatischen Bemühungen noch nicht vollständig zum Erliegen gekommen sind, scheint ein Durchbruch ferner denn je. Irans Außenminister Abbas Araghchi reiste am Samstag nach Oman, um über die Zukunft der Straße von Hormus zu beraten. Auffällig war, dass keine hochrangigen US-Gesandten anwesend waren.
Teheran hält an seinen Bedingungen für neue Verhandlungen fest. Nach iranischer Darstellung muss Washington zunächst Zusagen aus früheren Vereinbarungen einhalten, bevor weitere Gespräche möglich sind. Die Vereinigten Staaten verlangen dagegen, dass Iran öffentlich garantiert, die Straße von Hormus für die internationale Schifffahrt offen zu halten und zivile Schiffe nicht länger anzugreifen. Sollte Iran dem nicht nachkommen, würden nach Angaben von US-Regierungsvertretern weitere Maßnahmen folgen.
Präsident Donald Trump erhöhte am Freitag den Druck, indem er mit „1000 Raketen“ drohte, sollte Iran eine frühere Drohung gegen ihn wahrmachen.
Die Aussicht auf Deeskalation wird zusätzlich durch die innenpolitische Lage in Iran erschwert. Das Land begeht derzeit eine dreitägige Trauerfeier für den getöteten obersten Führer Ali Khamenei. Sein Sohn und Nachfolger Mojtaba Khamenei rief am Samstag zur Vergeltung auf und bezeichnete Rache für den Tod seines Vaters als „sichere und unabweisbare Pflicht“.
Für die Energiemärkte ist diese Gemengelage ein beunruhigendes Signal. Die Straße von Hormus ist für geschlossen erklärt, die militärischen Angriffe gehen unvermindert weiter, und die Diplomatie steckt fest. Anleger dürften daher vor allem auf die Eröffnung der Ölmärkte blicken, wo erstmals vollständig auf die Ereignisse des Wochenendes reagiert werden kann.
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