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Der Investor, der die Krise von 2008 kommen sah und damit ein Vermögen verdiente, wittert wieder Gefahr. Lee Robinson setzt nun massiv auf fallende Kurse großer Versicherer. Seiner Einschätzung nach braut sich im Markt für Private Credit ein Ausbruch zusammen, den die meisten nicht auf dem Schirm haben.
Über seinen Fonds Altana setzt Robinson auf einen Kursrutsch bei großen Versicherern wie Lincoln National, MetLife und sogar Berkshire Hathaway. Er investiert dabei auch eigenes Geld.
Umgesetzt wird das über Credit Default Swaps – eine Art Versicherung, die zahlt, wenn ein Unternehmen seine Schulden nicht bedienen kann.
Direkt gegen Private Credit zu wetten, ist kaum möglich. Dabei handelt es sich um Kredite, die außerhalb von Banken und Börse an Unternehmen vergeben werden – und auf einen Rückgang dieses 1,8-Billionen-Dollar-Marktes zu setzen, ist schwierig.
Deshalb nimmt er die Versicherer ins Visier. Sie zählen zu den größten Geldgebern dieser Kredite.
Robinson ist in der Finanzwelt kein Unbekannter. Er lernte das Handwerk bei dem Hedgefonds von Investorenlegende Paul Tudor Jones und machte sich später selbstständig.
Sein großer Moment kam 2008. Robinson setzte auf fallende Kurse bei US-Subprime-Hypotheken – Krediten an Hauskäufer, die ihre Schulden oft nicht zurückzahlen konnten.
Als dieser Markt kollabierte, wurden aus 20 Millionen Dollar 200 Millionen. Ein Plus von 900 Prozent.
Der Einbruch riss die ganze Welt mit. Banken gingen unter, der Zusammenbruch von Lehman Brothers markierte den Tiefpunkt – es folgte die schwerste Finanzkrise seit den 1930er-Jahren.
Jetzt sieht Robinson dieselbe trügerische Ruhe wie damals. Die Prämien für riskante Unternehmenskredite liegen historisch niedrig, während die Sorgen um Private Credit zunehmen.
„Im August 2008 haben wir uns die Haare gerauft und uns gefragt, wie um alles in der Welt die Volatilität so niedrig sein konnte“, sagt Robinson. „Es fühlt sich jetzt ein bisschen ähnlich an.“
Die Engagements der Versicherer wachsen stetig. Nach Angaben der Ratingagentur Moody’s steckte die Lebensversicherungsbranche Ende 2025 ein Fünftel ihrer 4.000 Milliarden Dollar an festverzinslichen Anlagen vor allem in Private Credit. Ein Jahr zuvor waren es noch 18 Prozent.
Damit gehen Versicherer immer tiefer in einen Markt, der sich nur schwer handeln lässt. Fällt der Wert von Private Credit, kommen sie nicht einfach heraus – und ein größerer Teil ihres Vermögens gerät unter Druck.
Inzwischen zielen auch andere Hedgefonds auf die Versicherer – und selbst Investmentbanken wie JPMorgan und Goldman Sachs spielen dieses Szenario.
Das Volumen dieser Wetten gegen US-Versicherer stieg bis zum 22. Mai auf 5,5 Milliarden Dollar. Ende vergangenen Jahres waren es noch weniger als 4,9 Milliarden.
Auch in Europa schrillen die Alarmglocken. Die Europäische Zentralbank (EZB) warnte zuletzt vor möglichen Verlusten bei Schwergewichten wie Allianz, Aviva und Axa.
Trotzdem ist ein echter Schock noch nicht eingepreist. Die Kosten, sich gegen einen Zahlungsausfall bei Lincoln National abzusichern, liegen bei 142 Basispunkten – weit entfernt von einem Unternehmen in akuter Not.
Nach Einschätzung des Investors Mark Lieb von Spectrum Asset Management kommt der Dämpfer dennoch. „Für private und institutionelle Anleger wird es mehr Schmerzen geben, und Versicherer werden ihre Investments vermutlich teilweise abschreiben müssen“, sagt er.
Aus Sicht von Robinson könnte bereits „ein einziger Knall“ bei einem Versicherer die gesamte Branche ins Wanken bringen.
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