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Laut ING nehmen die Aufwärtsrisiken für den US-Dollar rasch zu. Auslöser ist die jüngste Eskalation rund um die Straße von Hormus, an der die Vereinigten Staaten erneut eine Blockade gegen Iran verhängt haben.

Brent-Öl notiert inzwischen bei rund 85 Dollar je Barrel. Nach Einschätzung von ING preist der Markt jedoch noch keinen vollständigen neuen Angebotsschock ein. Das bedeutet: Sowohl Öl als auch der Dollar könnten kurzfristig weiter zulegen, falls die Blockade anhält.

Brent-olie stijgt naar 85 dollar per vat.
Brent-Öl steigt auf 85 Dollar je Barrel. Quelle: TradingView

Solange die Energiepreise steigen, wächst das Risiko einer hartnäckigeren Inflation. Dadurch könnten die Märkte aggressiver auf zusätzliche Zinserhöhungen der Federal Reserve setzen. Das wiederum schafft Spielraum für neue Kursrückgänge bei Risikoanlagen.

Warum der Dollar steigen kann

Normalerweise reagiert der Dollar stark auf Zinsdifferenzen. Steigen die US-Zinsen stärker als die europäischen Zinsen, wird der Dollar attraktiver. ING weist jedoch darauf hin, dass es derzeit um mehr geht als nur um Zinsabstände. Der Ölmarkt spielt eine größere Rolle.

Die US-Ölvorräte liegen laut ING auf dem niedrigsten Stand seit 1984. Gerät zusätzlich der Export über die Straße von Hormus unter Druck, könnte der Markt gezwungen sein, eine höhere geopolitische Risikoprämie in den Ölpreis einzurechnen.

Das würde die Inflationssorgen verstärken und den Dollar stützen. Die Märkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent für eine Zinserhöhung im Juli sowie zusätzliche Erhöhungen um 43 Basispunkte bis zum Jahresende ein. Sollte Fed-Chef Kevin Warsh bei seinem ersten Auftritt im Repräsentantenhaus wenig Orientierung geben, könnte die Unsicherheit weiter zunehmen.

ING hält es für möglich, dass der DXY-Index rasch in Richtung 102 steigt, falls die Hormus-Blockade anhält.

Kurzfristige Folgen für Aktien

Für Aktien ist das kurzfristig ungünstig. Ein stärkerer Dollar, ein höherer Ölpreis und steigende Zinserwartungen ergeben zusammen ein schwieriges Umfeld. Unternehmen sehen sich mit höheren Kosten konfrontiert, während künftige Gewinne mit einem höheren Zinssatz abgezinst werden.

Vor allem Wachstumswerte und KI-Aktien könnten dafür anfällig sein. Ihre Bewertungen beruhen stark auf hohen Gewinnen in der Zukunft. Steigen die Zinsen, verlieren diese künftigen Gewinne in den Bewertungsmodellen der Anleger an Wert.

Die These von ING könnte daher bedeuten, dass der Aktienmarkt kurzfristig anfällig bleibt, selbst wenn die Unternehmensgewinne robust sind.

Folgen für Bitcoin

Für Bitcoin (BTC) ist das Bild ähnlich. Der Bitcoin-Kurs profitiert meist von sinkenden Zinsen, einem schwächeren Dollar und mehr Liquidität. Die ING-These deutet jedoch in die entgegengesetzte Richtung: höhere Ölpreise, mehr Inflationssorgen, ein stärkerer Dollar und eine Fed, die möglicherweise erneut straffen muss.

Gaat de Bitcoin koers opnieuw corrigeren door de onrust?
Droht dem Bitcoin-Kurs wegen der Unruhe eine erneute Korrektur? Quelle: TradingView

Das ist kurzfristig kein günstiges Umfeld. Steigt der Dollar weiter und ziehen die US-Zinsen an, könnte es für Bitcoin schwierig werden, sich über den jüngsten Erholungsbereichen zu halten. Erst wenn der Markt später wieder an eine Deeskalation und eine weniger restriktive Fed glaubt, könnte sich das Bild aufhellen.

Langfristig hängt vieles von der Deeskalation ab

Auf längere Sicht bleibt ING gegenüber dem Dollar weiterhin negativ eingestellt. Diese Einschätzung beruht vor allem auf zwei Annahmen: dass es im Nahen Osten letztlich wieder zu einer Deeskalation kommt und dass die Fed später doch weniger restriktiv agiert.

Sollte dieses Szenario eintreten, sähe die Lage anders aus. Ein schwächerer Dollar und niedrigere Zinserwartungen wären positiv für Aktien, Bitcoin und möglicherweise auch Gold. Aktien würden von niedrigeren Abzinsungssätzen gestützt, Bitcoin von einer höheren Risikobereitschaft profitieren und Gold könnte von einem strukturell weniger starken Dollar Rückenwind erhalten.

Das ist jedoch das langfristige Szenario. Kurzfristig warnt ING dagegen, dass der Markt die Risiken rund um Öl, Hormus und eine restriktivere Fed noch nicht vollständig einpreist. Damit sieht die Bank kurzfristig Spielraum für weitere Kursrückgänge, während sie auf längere Sicht optimistischer wird.

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