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Die Investitionswelle in künstliche Intelligenz bleibt langfristig ein positives Thema für große Technologiekonzerne. Dennoch werden Anleger laut ING zu Recht vorsichtiger.
KI sorgt für höhere Umsätze und Wachstum, treibt aber zugleich die Kosten deutlich nach oben. Dadurch könnte der Gewinn je Aktie langsamer steigen, als es Anleger gewohnt sind. Das ist entscheidend, weil gerade dieses Gewinnwachstum die hohen Bewertungen der Big-Tech-Konzerne rechtfertigen muss.
Nach Einschätzung der ING handelt es sich nicht um sinnlose Investitionen. Unternehmen wie Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta bauen KI-Rechenzentren, weil die Nachfrage nach Rechenleistung größer ist als das Angebot.
Microsoft investierte 2025 beispielsweise 65 Milliarden Dollar in Cloud- und KI-Infrastruktur. Zugleich meldete der Konzern mit KI-Diensten einen annualisierten Umsatz von 37 Milliarden Dollar.
Offen bleibt dennoch, welche Rendite diese Investitionen am Ende abwerfen. Das erklärt laut ING die jüngsten Schwankungen bei Tech-Aktien. Anleger fürchten nicht, dass KI wieder verschwindet, sondern bewerten neu, wie viel künftige Gewinne wert sind.
Ein zentraler Punkt ist, dass höhere Investitionen den freien Cashflow belasten. Selbst wenn Unternehmen ihre KI-Ausgaben aus dem operativen Cashflow finanzieren können, bleibt weniger Geld für Aktienrückkäufe.

Das ist relevant, weil Buybacks in den vergangenen Jahren eine wichtige Stütze für den Gewinn je Aktie waren.
Alphabet senkte die Zahl der ausstehenden Aktien zwischen 2020 und 2025 um 9,5 Prozent. Dadurch verteilte sich der Gewinn auf weniger Aktien, was den Gewinn je Aktie stützte.
ING verweist zudem auf ein Risiko, über das weniger gesprochen wird: Abschreibungen.
Die enormen Investitionen in KI-Infrastruktur schlagen sich nicht sofort vollständig in den Kosten nieder. Sie werden über mehrere Jahre abgeschrieben. Je länger die Investitionswelle anhält, desto stärker können diese Abschreibungen jedoch steigen.
Das könnte die Margen unter Druck setzen, zumal KI-Server eine kürzere Lebensdauer haben als klassische Rechenzentrumstechnik.
Bei Alphabet wird das Verhältnis von Investitionen zu Umsatz für 2026 auf 44 Prozent geschätzt, während die Abschreibungen noch bei 14 Prozent des Umsatzes liegen. Steigen diese Abschreibungen später, könnte das das Gewinnwachstum belasten.
Nicht jedes Unternehmen ist demselben Risiko ausgesetzt. Oracle investiert aggressiv, verfügt aber über weniger internen Cashflow als Microsoft oder Alphabet. Dadurch kann der freie Cashflow negativ werden, und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass der Konzern zusätzliches Kapital aufnehmen muss.
Bei Nvidia liegt das Risiko vor allem bei den Margen. Die operative Marge kann auf mehr als 60 Prozent steigen, doch große Kunden entwickeln zunehmend eigene Chips, um Kosten zu senken. Das könnte Nvidias Preissetzungsmacht langfristig schwächen.
Bei OpenAI und Anthropic betrifft die Unsicherheit vor allem das Geschäftsmodell. Beide verbrennen viel Geld, um Marktführer zu werden. Die langfristige Wirtschaftlichkeit generativer KI ist jedoch noch weniger bewiesen als damals bei Netflix oder Amazon.
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