Die Inflation in China ist im Dezember auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren gestiegen. Obwohl dies auf den ersten Blick positiv erscheint, bleibt die Binnennachfrage schwach. Das bereitet den chinesischen Entscheidungsträgern Kopfzerbrechen, die schon länger versuchen, einer Deflation entgegenzuwirken.
Inflation steigt, bleibt aber unter dem Zielniveau
Die Verbraucherpreise in China stiegen im Dezember im Jahresvergleich um 0,8 Prozent. Dies ist der höchste Stand seit Februar 2023. Der Anstieg ist größtenteils auf höhere Lebensmittelpreise zurückzuführen, insbesondere Gemüse, das durch die Winterkälte knapper wurde. Die Kerninflation, ohne die volatilen Preise für Nahrungsmittel und Energie, lag erneut bei 1,2 Prozent. Dennoch bleibt die Gesamtinflation deutlich unter dem offiziellen Ziel von „rund zwei Prozent“.
Im gesamten Jahr 2025 betrug die Inflation sogar null Prozent, das niedrigste Niveau seit 2009. Damit konnte China knapp eine Deflationsphase vermeiden. Während viele westliche Länder mit extremen Preissteigerungen zu kämpfen hatten, versuchte China das Gegenteil: eine schädliche Preissenkung abzuwenden.
Schwache Konsumkraft und Immobilienkrise belasten die Preise
Trotz der Erholung der Verbraucherpreise bleibt die Binnennachfrage in China fragil. Die Wirtschaft leidet unter einer anhaltenden Immobilienkrise, zurückhaltenden Verbrauchern und einem verschlechterten Arbeitsmarktsentiment. Besonders junge Menschen haben Schwierigkeiten, Arbeit zu finden, was das Vertrauen in die Zukunft beeinträchtigt.
Gleichzeitig sinken die Erzeugerpreise weiter. Im Dezember lagen sie 1,9 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Es ist bereits der 39. Monat in Folge, in dem Produzenten weniger Geld für ihre Produkte verlangen können. Dieser anhaltende Preisdruck zeigt, dass Unternehmen weiterhin Schwierigkeiten haben, ihre Lagerbestände abzubauen.
ING: Inflation könnte 2026 auf 0,9 Prozent steigen
Laut ING-Ökonomin Lynn Song besteht Hoffnung auf einen weiteren Anstieg der Inflation im Jahr 2026. Der Preisdruck auf Schweinefleisch, ein wichtiger Bestandteil der chinesischen Ernährung, wird ihrer Ansicht nach abnehmen. Dadurch könnte die Inflation auf 0,9 Prozent steigen. Auch wenn dies noch unter dem Ziel liegt, wäre dies laut Song nach drei Jahren extrem niedriger Inflation eine gesunde Entwicklung.
Peking setzt weiterhin auf Anreize, um die Wirtschaft anzukurbeln. So wurden Programme gestartet, um Verbraucher zu ermutigen, alte Güter gegen neue einzutauschen. Bislang scheinen die Auswirkungen begrenzt zu sein, aber die Entscheidungsträger hoffen, dass strukturelle Reformen und gezielte Unterstützungsmaßnahmen im Jahr 2026 mehr Wirkung zeigen werden.
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