Huawei scheint in diesem Jahr zum größten Player auf dem chinesischen Markt für KI-Chips zu werden. Der Umsatz mit KI-Prozessoren könnte laut der Financial Times auf etwa 12 Milliarden Dollar steigen, gegenüber 7,5 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Das entspräche einem Wachstum von mindestens 60 Prozent.
Große Nachfrage nach neuestem KI-Chip
Der Hauptgrund ist, dass chinesische Technologiefirmen verstärkt nach einheimischen Alternativen zu Nvidia suchen. Aufgrund der Spannungen zwischen Washington und Peking wird es für Nvidia zunehmend schwieriger, KI-Chips nach China zu liefern. Huawei füllt nun diese Lücke.
Chinesische Tech-Unternehmen haben Großaufträge für Huaweis neuesten Ascend 950PR-Prozessor erteilt. Dieser Chip ging im März in die Massenproduktion und ist vor allem für die Inferenz gedacht. Dabei handelt es sich um die Berechnungen, mit denen KI-Modelle Antworten generieren.
Das ist ein wesentlicher Unterschied zum Training. Das Training großer KI-Modelle bleibt technisch anspruchsvoller und erfolgt noch häufig auf Nvidia-Chips. Doch je weiter KI-Anwendungen, Chatbots und Agenten verbreitet werden, desto mehr könnte Inference eine enorme Wachstumsbranche werden.
Huawei setzt voll darauf. Das Unternehmen versucht, die geringere Leistung einzelner Chips durch den Aufbau leistungsstarker Cluster auszugleichen, in denen viele Chips über Netzwerktechnologie zusammenarbeiten.
Nvidia gerät durch neue Vorschriften ins Hintertreffen
Nvidia erhielt zwar im März US-Genehmigungen für den Verkauf von H200-Chips an China, doch nach Angaben von Insidern wurden noch keine Lieferungen getätigt. Der Grund dafür ist eine Kombination aus US-amerikanischen und chinesischen Beschränkungen.
Peking soll chinesische Tech-Unternehmen dazu ermutigen, einheimische Hersteller zu unterstützen und Nvidia-Chips vor allem außerhalb Chinas zu nutzen. Gleichzeitig sollen US-Vorschriften jedoch verlangen, dass Nvidia-Chips für chinesische Kunden ausschließlich in China verwendet werden. Dadurch stocken die Lieferungen in der Praxis.
Für Huawei ist das vorteilhaft. Je länger Nvidia Schwierigkeiten hat, China zu beliefern, desto größer die Chance, dass chinesische Kunden auf lokale Alternativen umsteigen.
Huawei auf der Überholspur
Allerdings ist Huawei technologisch noch nicht auf dem Niveau von Nvidia. Den Beteiligten zufolge liegen die neuesten Huawei-Chips mindestens zwei Generationen hinter den fortschrittlichsten Nvidia-Produkten zurück.
Doch die Lücke schließt sich. Huawei verbessert die Leistung und Effizienz seiner KI-Chips und arbeitet eng mit SMIC, dem wichtigsten chinesischen Chiphersteller, zusammen. Später in diesem Jahr sollen zudem zwei weitere Fabriken den Betrieb aufnehmen, die speziell für Huawei produzieren.
Die Zusammenarbeit von DeepSeek für das neuste V4-Modell mit Huaweis 950PR zielte auf die Optimierung von Effizienz und Kosten ab. Wobei das Training dieses Modells jedoch größtenteils noch auf Nvidia-Hardware gelaufen war. Dies ist ein Indikator für die vorläufigen Limitationen.
Software bleibt größte Schwachstelle
Die größte Herausforderung für Huawei liegt nicht nur in der Hardware, sondern vor allem in der Software. Nvidia hat mit Cuda ein weltweit dominantes Ökosystem für Entwickler geschaffen.
Mit CANN hat Huawei eine eigene Alternative, die von Entwicklern jedoch oft als schwieriger in der Anwendung angesehen wird. Das bedeutet höhere Betriebskosten für die Kunden und einen geringeren Anreiz, zu wechseln.
Solange diese Softwarelücke besteht, ist Huawei noch kein vollständiger Ersatz für Nvidia. Doch in China könnten politischer Druck, Regulierung und die Notwendigkeit der Selbstversorgung diese Umstellung dennoch beschleunigen.
China will eigene KI-Infrastruktur
Morgan Stanley erwartet, dass der chinesische Markt für KI-Chips bis 2030 auf 67 Milliarden Dollar anwachsen könnte. Davon könnten 86 Prozent von chinesischen Unternehmen geliefert werden.
Das unterstreicht den strukturellen Wandel. China will unabhängiger von amerikanischer Technologie werden, während Exportbeschränkungen amerikanische Unternehmen zwingen, ihr Angebot einzuschränken.
Für Nvidia ist das ein großes Problem. China war jahrelang ein wichtiger Markt, aber die Kombination aus amerikanischen Exportvorschriften und chinesischer Lokalisierungspolitik treibt Kunden in Richtung Huawei.
Für Huawei ist jetzt der Zeitpunkt, um Durchbrüche zu erzielen. Das Unternehmen muss Nvidia technologisch noch nicht vollständig übertreffen, um Marktanteile zu gewinnen. In einem Markt, in dem Zugang, Geopolitik und Liefersicherheit immer wichtiger werden, könnte der beste verfügbare chinesische Chip bereits ausreichen.
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