Der internationale Market Maker Wintermute warnt, dass der Kryptomarkt derzeit vor allem auf recycelter Liquidität läuft – also auf Geld, das innerhalb des Ökosystems zirkuliert, ohne dass neues Kapital zufließt. Das könnte theoretisch zu einem massiven Problem für den Bullenmarkt von Bitcoin werden.
Drei Kapitalquellen trocknen aus
In einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse erklärt Wintermute, dass Liquidität seit Jahren die wichtigste treibende Kraft hinter jedem Krypto-Zyklus ist. Obwohl die Adoption von Blockchain-Technologie weiter wächst, ist der Zufluss frischen Kapitals in den letzten Monaten deutlich abgeflaut.
Wintermute unterscheidet drei Hauptkanäle, über die traditionell Geld in den Kryptomarkt fließt:
- Stablecoins (wie USDT und USDC)
- Exchange-traded Funds (ETFs)
- Digital Asset Treasuries (DATs), Unternehmen, die Krypto in ihrer Bilanz halten

Nach Daten von Wintermute wuchsen diese drei Kategorien zwischen 2024 und Anfang 2025 stark: Das kumulierte Vermögen in ETFs und DATs stieg von 40 auf 270 Milliarden Dollar, während die Ausgabe von Stablecoins sich auf rund 290 Milliarden Dollar verdoppelte.
Seither ist das Wachstum jedoch zum Stillstand gekommen. Neue Stablecoins werden kaum noch ausgegeben, die ETF-Zuflüsse sind abgeflacht, und die Zahl der Unternehmen, die Krypto in die Bilanz aufnehmen, wächst nur noch begrenzt.
Hohe Zinsen halten Anleger an der Seitenlinie
Die Ursache liegt laut Wintermute nicht in einer straffen Geldpolitik. Die weltweite Geldmenge ist weiterhin üppig, und die Zentralbanken haben nach zwei Jahren der Straffung sogar mit Zinssenkungen begonnen.
Das Problem sei, wohin diese Liquidität fließt. Die hohen Kurzfristzinsen und die Secured Overnight Financing Rate (SOFR) machen US-Staatsanleihen derzeit zu einer deutlich attraktiveren Alternative als Bitcoin.
Anleger entscheiden sich also für sichere Renditen in Staatsanleihen statt für das Risiko digitaler Assets. Dadurch bleiben die Handelsvolumina in Krypto zwar ziemlich hoch, die gesamte Kapitalbasis im Markt wächst jedoch nicht mehr.
Das Ergebnis ist, was Wintermute einen ‚Player-versus-Player-Markt‘ nennt: ein Umfeld, in dem Händler gegeneinander kämpfen, statt dass neues Geld für strukturelles Wachstum sorgt.
“Die Liquidität ist nicht verschwunden,” so Wintermute. “Sie wird nur innerhalb des Systems recycelt statt ausgeweitet.”
Kein neuer Treibstoff für Bitcoin
Für Bitcoin bedeutet das, dass die jüngsten Kursrückgänge wohl nicht auf fundamentales Misstrauen zurückzuführen sind, sondern auf den Mangel an frischem Kapital. Sobald die Preise steigen, nehmen Trader schnell Gewinne mit, während zu wenig neues Geld da ist, um die Anstiege zu tragen.
Der Markt reagiert dadurch überempfindlich auf kleine Verschiebungen von Angebot und Nachfrage, was zu kurzen, steilen Rallys führt, gefolgt von schnellen Korrekturen.
Laut Rachael Lucas, Analystin bei der australischen Kryptobörse BTC Markets, gibt es durchaus Unternehmen, die zusätzlich Bitcoin kaufen – allerdings über Over-the-Counter-Transaktionen (OTC), also außerhalb des offenen Marktes.
“Es ist eine stille Form der Akkumulation,” sagt Lucas. “Diese Käufer vermeiden Preisimpact und Volatilität, indem sie direkt mit Anbietern handeln.” Dadurch steigt die Zahl der Unternehmen, die Bitcoin halten, doch spiegelt sich das nicht unmittelbar in einem höheren Bitcoin-Kurs wider.
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