Der Kryptomarkt verlor an einem Wochenende rund 250 Milliarden Dollar an Marktwert. Auffällig war, dass im gleichen Zeitraum auch viele Tech-Aktien stark nachgaben. Laut dem Makroanalysten Raoul Pal deutet dies auf ein tieferliegendes Problem im Finanzsystem hin. Der jüngste Ausverkauf hat seiner Meinung nach wenig mit Krypto an sich zu tun.
Pal sieht kein Krypto-Problem
Pal, Gründer und CEO von Global Macro Investor, beobachtet seit Jahren globale Geldströme. Seiner Meinung nach trifft es nicht zu, dass Bitcoin (BTC) und Krypto „kaputt“ seien oder der Zyklus vorbei sei. Er weist darauf hin, dass SaaS-Aktien derzeit nahezu identische Bewegungen zeigen, was seiner Ansicht nach darauf hindeutet, dass die Ursache breiter als nur der Kryptomarkt ist.
Pal sieht sowohl Bitcoin als auch SaaS-Unternehmen als langfristige Investitionen. Das bedeutet, dass ihre Bewertung stark von zukünftigem Wachstum und Adoption abhängt. Solche Investitionen reagieren besonders empfindlich auf Änderungen bei Zinsen und Liquidität.
Wenn zwei völlig unterschiedliche Märkte gleichzeitig fallen, weist das laut Pal nicht auf ein Problem in einem einzigen Sektor hin, sondern auf einen größeren makroökonomischen Faktor, der beide beeinflusst.
US-Finanzministerium zieht Geld aus dem Markt
Pal weist auf den starken Anstieg des Goldpreises hin. Seiner Meinung nach ist fast das gesamte verfügbare Geld, das normalerweise in Investitionen wie Bitcoin und SaaS-Unternehmen fließt, in Gold geflossen. Es blieb einfach zu wenig Geld übrig, um alle Märkte gleichzeitig zu stützen, weshalb die risikoreichsten Investitionen zuerst getroffen wurden.
Dazu kamen zwei vorübergehende Shutdowns der US-Regierung und was Pal als „Probleme in der US-Finanzinfrastruktur“ bezeichnet. Ein wichtiges Element dabei ist die Reverse Repo Facility der Federal Reserve.
Banken und Geldmarktfonds konnten hier jahrelang ihr überschüssiges Geld vorübergehend parken. Wenn die US-Regierung zusätzliches Geld auf ihr Konto einzahlte, floss gleichzeitig Geld aus diesem Bereich zurück in den Markt. Dadurch blieb die Auswirkung begrenzt, aber jetzt ist dieser Vorrat erschöpft. Das bedeutet, dass jedes Mal, wenn das Finanzministerium Geld einzieht, Geld aus dem Finanzsystem verschwindet, das sonst in Märkte wie Aktien und Krypto geflossen wäre, sagt Pal.
Unsicherheit um neuen Fed-Vorsitz
Zudem verweist Jeff Mei von der Handelsplattform BTSE auf die mögliche Ernennung von Kevin Warsh als neuen Fed-Vorsitzenden. Anleger befürchten, dass er weniger schnell die Zinsen senken könnte. Pal sieht das anders. Seiner Meinung nach wird Warsh die Zinsen senken und im Hintergrund bleiben, während Trump und Bessent die Liquidität über das Bankensystem regeln werden.
Pal glaubt, dass die Phase knapper Liquidität bald endet. Er bleibt deshalb ausgesprochen optimistisch für 2026, da er erwartet, dass die Geldströme dann wieder in risikoreichere Märkte wie Krypto fließen werden.
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