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Die amerikanische Börse setzt weiterhin Höchststände, doch unter der Oberfläche wächst die Anspannung. Während die Aktienmärkte von der Begeisterung über Künstliche Intelligenz getragen werden, senden die Anleihemärkte ein völlig anderes Signal. Die Inflation bleibt hartnäckig, die Ölpreise sind weiterhin hoch und die Zentralbanken könnten weniger Spielraum für Zinssenkungen haben.

Laut großen Investoren entsteht dadurch eine gefährliche Kluft zwischen Aktien und Anleihen. Der S&P 500 stieg seit dem ersten Waffenstillstand im Nahen Osten um etwa 12 Prozent und erreichte mehrere neue Rekorde. Gleichzeitig stiegen die Renditen amerikanischer Anleihen auf den höchsten Stand seit über einem Jahr.

Anleihemärkte sehen Inflationsgefahr

Die steigenden Renditen sind vor allem eine Folge der Sorgen über die Energiepreise. Durch den Krieg mit Iran und die Schließung der Straße von Hormus bleibt Öl über 100 Dollar pro Barrel gehandelt. Das treibt die Kosten für Benzin, Diesel, Kerosin und Transport in die Höhe.

Die amerikanische 10-Jahres-Rendite stieg seit dem Waffenstillstand um 0,28 Prozentpunkte. Auch die Inflationserwartungen ziehen an. Ein Marktmaßstab für die erwartete Inflation über einen Zeitraum von zwölf Monaten, der in einem Jahr beginnt, stieg am Montag erstmals seit Anfang 2025 über vier Prozent.

Aktienanleger scheinen sich davon vorerst wenig beeindrucken zu lassen. Der S&P 500 steht auf Rekordhöhe, die Kreditspreads sind eng und der Optimismus über Unternehmensgewinne ist groß.

Aktien legen zu, während Anleihen unter Druck stehen. Quelle: FT

Vor allem AI-Aktien und Chiphersteller treiben den Markt nach oben. Investoren setzen weiterhin auf Nvidia, Chipunternehmen und Technologieunternehmen, die von den enormen Investitionen in Rechenzentren und Künstliche Intelligenz profitieren.

Das führt zu einer unangenehmen Situation. Anleihen warnen vor Inflation, teurer Energie und höheren Zinsen. Aktien dagegen signalisieren, dass das Gewinnwachstum stark genug ist, um darüber hinwegzusehen.

Korrekturrisiko steigt

Laut Vincent Mortier, Anlagechef von Amundi, ist eine Korrektur eher eine Frage des Wann als des Ob. Er weist auf den enormen Wandel im Sentiment und der Positionierung innerhalb von nur sechs Wochen hin.

Auch Tikehau Capital warnt, dass die Kombination aus Rekordständen an der Börse, extremem Optimismus und steigenden Zinsen schwer haltbar ist. Laut dem Unternehmen ist die Rally kurzfristig anfällig und benötigt eine Pause.

Dieses Bild wird durch die jüngste Umfrage der Bank of America unter Fondsmanagern gestützt. Daraus geht hervor, dass Anleger in Rekordtempo ihre Aktienposition erhöht haben. Der Anteil der Investoren, die Aktien übergewichtet haben, stieg auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Gleichzeitig sind viele Anleger in Anleihen untergewichtet.

Laut Bank of America macht das den Markt Anfang Juni reif für Gewinnmitnahmen. Wie groß diese Korrektur ausfällt, hängt vor allem davon ab, wie weit die Anleiherenditen noch steigen.

AI-Rally wird immer schmaler

Ein weiteres Risiko besteht darin, dass die Rally zunehmend von einer kleinen Gruppe von Technologie- und Chipunternehmen abhängig wird. Die Wall Street läuft viel besser als Europa, wo höhere Energiepreise stärker ins Gewicht fallen und der Stoxx Europe 600 Schwierigkeiten hat, auf das Vorkriegsniveau zurückzukehren.

Dieser Unterschied zeigt, wie stark die amerikanische Börse auf AI angewiesen ist. Solange die Gewinne weiter überraschen, können die Aktien hoch bleiben. Doch wenn höhere Zinsen auf Bewertungen drücken, ist gerade dieser schmale Markt verwundbar.

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