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Nach Einschätzung des FT-Kolumnisten Ruchir Sharma bestimmt derzeit ein Thema nahezu alles an den globalen Aktienmärkten: künstliche Intelligenz. Nicht die Zinsen. Nicht Öl. Nicht die Geopolitik.
KI ist seiner Ansicht nach zum wichtigsten Faktor dafür geworden, welche Länder, Sektoren und Renditen vorne liegen. Staaten mit einer starken Position in der KI-Wertschöpfungskette entwickeln sich außergewöhnlich gut. Länder ohne klare KI-Exponierung bleiben zurück.
Damit entsteht seiner Ansicht nach sogar eine neue Weltordnung an der Börse.
Die großen Gewinner sind Länder, die eine wichtige Rolle in der Infrastruktur hinter der KI spielen. Die Vereinigten Staaten und China stehen aufgrund ihrer großen KI-Modelle und Technologieunternehmen an der Spitze.
Taiwan und Südkorea profitieren von ihrer dominierenden Stellung im Bereich Chips. Japan und Israel schneiden aufgrund ihres breiten technologischen Know-hows und ihrer industriellen Spezialisierung gut ab.
Darunter befindet sich eine Gruppe von Teilgewinnern. Dazu gehören Länder wie Mexiko, Thailand, Vietnam, Malaysia und Singapur. Sie liefern Komponenten, Server und Elektronik oder beherbergen Rechenzentren.
Zu den Verlierern gehören Länder ohne klare KI-Position. Große Teile Europas fallen in diese Kategorie, auch wenn die Niederlande wegen ASML eine Ausnahme bilden.

Schwer haben es auch Länder, die stark von Branchen abhängen, die durch KI unter Druck geraten könnten. Sharma nennt unter anderem IT-Dienstleister. Länder wie Indien und die Philippinen stehen dadurch unter Druck.
Das ist relevant, weil der Markt KI nicht nur als Wachstumschance, sondern auch als Risiko bewertet. Wer auf der falschen Seite des technologischen Umbruchs steht, wird abgestraft.
Nach Einschätzung Sharmas ist die aktuelle KI-Rally sogar enger als die Interneteuphorie Ende der 1990er-Jahre. Damals verteilte sich die Begeisterung noch breiter auf verschiedene Branchen und Märkte. Heute läuft die Entwicklung anders.
KI-Aktien ziehen Kapital aus Sektoren und Ländern ab, die nicht direkt mit KI verbunden sind. Selbst in den Vereinigten Staaten sinkt das reale Investitionswachstum außerhalb des Technologiesektors. Ausländische Anleger ziehen zugleich Geld aus Ländern ab, die in der KI-Revolution nur als Randakteure gelten. Dadurch ist der Markt extrem konzentriert.
In den USA machen KI-Aktien mehr als 40 Prozent der Marktkapitalisierung und mehr als 80 Prozent der Rendite in diesem Jahr aus. In Taiwan und Südkorea ist diese Abhängigkeit noch größer.
Dennoch stellt Sharma fest, dass Anleger nicht einfach blind kaufen. Die Gewinner sind meist Länder mit einer langen technologischen Geschichte, hohen F&E-Ausgaben und großen Investitionen in Technologie. Das unterscheidet diese Rallye von einer rein spekulativen Manie.
Die KI-Gewinner investieren strukturell mehr in Innovation als die Nachzügler. Sie verfügen über die Unternehmen, das Wissen, die Infrastruktur und die Kapitalmärkte, um die neue Technologie zu entwickeln und zu verkaufen. Sicher ist ihre Position deshalb aber nicht.
Auch innerhalb der „Magnificent Seven“ gehen die Leistungen mittlerweile auseinander. In China müssen Giganten wie Alibaba und Tencent noch beweisen, wie sie mit KI Geld verdienen wollen. In Japan hat sich der Markt plötzlich vollständig in Richtung Technologie gewendet.
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